Montag, 23. Mai 2011

Für manche Dinge sind manche Menschen nicht gemacht

Und so ist das mit mir und meinem Freiwilligendienst in Sri Lanka.

Ich bin nicht daür gemacht zuzusehen, wie die Kinder und Frauen hier behandielt werden. Ich kann einfach nicht tolerieren wie  Kinder geschlagen werden und ich kann auch nicht einfach meinen Mund halten wenn Kinder in ihren Betten liegen und nach Luft schnappen, weil ihre Lungen so verschleimt sind. Ich will nicht akzeptieren, dass ein 10 Wochen altes Baby angeblich selbst seine Flasche halten muss und ich sehe es nicht ein, ein Kind, das den ganzen Tag gebrochen  hat mit Brei vollzustopfen bis es nicht mehr bricht.
Und vor Allem kann ich nicht verstehen, warum es einfach so toleriert wird, dass Personal von Freiwilligen stiehlt (jetzt wurde einer Freiwilligen auch noch Geld gestohlen) und dass dann den Freiwilligen, die sich darüber beschweren mit dem Rauswurf gedroht wird.

Diese fünf Wochen in Sri Lanka haben mich körperlich und seelisch mehr mitgenommen als irgendwas je zuvor. Wenn man wegen der Hitze, den Ratten die unter dem Bett rascheln und  der Sorgen um die Kleinen nachts so gut wie nicht schläft, wenn man wegen der vielen Abgasen in der Luft schlecht atmens anstarrn kann, wenn man durchschnittlich 25 Windeln am Tag wechselt, eine Horde Kleinkinder über einen herfällt, man in der Schule 14-Jährige Schwergewichte rumträgt, mit schreienden Babys den Gang auf und abläuft und nach der Arbeit das Erbrochene und die Ausscheidungen der Kinder per Handwäsche aus den Kleidern waschen muss, macht das einen fertig.Hinzu kommen dann noch die Steine, die einem die Gesellschafthier in den Weg
 legt: Man muss immer Schultern und Knie bedeckt halten, damit die Autos an der Straße nicht anhalten um einen anzustarren. Obwohl, das wird trotzdem gemacht.
Auf dem 15-minütigen Fußweg in die Stadt muss man immer mit mindestens 5 Autos voller singahlesicher Männer rechnen, die die Fenster runterkurbeln um: "Hallo, young white madame!" zu rufen und ihre Zungen zu  zeigen. Im Bus wird man nicht nur angegafft, sondern auch oft angetatscht. Nichts toppt wohl den ersten Tag im Bus, als ein junger Singhalese uns anstarrte und doch dann tatsächlich vor uns seinen Penis auspackte.
 
Als Weißer ist man ein wandelnder Dollarschein, man weiß nie wer einem nur etwas verkauen will und wer einfach nur nett ist. Ich habe aber leider keinen Einheimischen getroffen, der einfach nur nett war. Wenn man sich mit jemandem unterhält muss man immer befürchten, dass man gleich Geld bezahlen muss oder man verfolgt wird.
Auch mein Gastvater nimmt nicht aus Nächstenliebe Freiwillge auf und vermittelt diese in  Projekte. Er verdient mit der ganzenn Sache sein Geld und das wars. Er bekommt Geld für dreckige, fensterlose Kammern  voller Getiers und Ratten.
Unterstützung  kam uns ziemlich wenig zu. Als Vera  und  ich weinend nach Hause kamen, weil  wir gesehen hatte, wie ein Kind abgegeben wurde (der Vater musste seine 3-jährige Tochter und seine anderen 3 Kinder getrennt abgeben, weil seine Frau weggelaufen war), meinte Michael nur, man solle die Mutter suchen und sie zwingen, die Kinder zu nehmen, der Vater wäre bestimmt an allem selbst schuld und sie hätten nie Kinder bekommen sollen.
Als wir mit ihm  darüber sprechen wollten wie sehr uns die Situation mit den Mitarbeiterinnen im  Heim belastet meinter ur, wir seien nicht da um etwas zu verändern, sondern um unter den Bedingungen und Anweisungen der Leiterin zu  arbeiten. Sehr nett...

Es ist keine einfache  Entscheiung gewesen, Sri Lanka früher zu verlassen, aber die richtige. Nach drei Monaten, die genauso gewesen wären wie  die fünf Wochen wäre ich ein absolutes Wrack gewesen.

Doch meine Zeit war nicht nur schlecht, ich  habe  vieles gelernt und erlebt.  Ich freue mich nun über alles, was zuvor so selbstverständlich war, ich bin wesentlich ruhiger und rege mich nicht mehr über irgendwelche nichtigen Dinge auf. Die sechs Stunden Verspätung meines  Fluges und das Verpassen meines Zuges konnten mich nicht aus der Ruhe bringen. Denn das ist definitiv ein Luxusproblem.
Der Flughafen in Colombo war der einzige Ort, an dem ich mich in Sri Lanka richtig sicher gefühlt habe und gerne bleiben wollte.

Man erkannt am Schlater am Fluhafen gleich die Deutschen: Shorts, Sandalen mit Socken und die erste Frage:" Ja bekommen wir denn dann jetzt gleich etwas zu Essen ?"

Ich vermisse die Kinder wie verrückt und denke ständig an sie. Es tut mir so Leid für die Kleinen, aber es sind ja noch andere da..
Vera, die noch eine weitere Woche bei Michael und seiner Familie gelebt und im Waisenhaus gelebt hat, hat mit eine Naricht  geschrieben, dass die Leiterin nun völig durchdreht.
Irgendwie hat sie erfahren, dass Vera von einer Gruppe Engländer 8000 Rupees für Windeln bekommen hat. Dieses Geld haben Vera und ich noch am selben Tag in Windeln und Tücher investiert. Die Leiterin hat nun aber Vera beschuldigt, sie habe das Geld selbst  genommen und nie Windeln gekauft. Irgendwann ist das Maß echt voll...


Nun bin ich wieder hier in Deutschland, freue mich wie ein kleines Kind über Käse, Kaffee, ein Bett ohne Bettwanzen und Kakerlaken und warmesungechlortes Wasser...

Sonntag, 8. Mai 2011

Das Kinderheim

Ich gehe ja jetzt nur noch am Nachmittag ins Kinderheim. Aber selbst in den drei Stunden könnte ich das Personal unentwegt anschreien und wegen der Kinder weinen.

Besonders heftig ist es immer wenn ein neues Baby kommt. Am Dienstag saßen Vera und ich mit unserem lunch draußen, als eine alte Frau mit einem winzig kleinen Bündel Baby mit einer riesigen Wollmütze zum Waisenhaus kam. Hinter ihr lief  eine ausgemergelte junge Frau,  die eine Plastiktüte trug.
Die Oma hat dann draußen mit dem Baby gewartet und die junge  Frau ist mit rein zur Leiterin.
Die junge Frau kam wieder raus und stillte dann mit  Tränen in den Augen, die Oma konnte sich auch nur gerade so zusammenreißen.
Die Leiterin kam und erzählte uns, dass die Frau vergewaltigt wurde und das Kind nun abgeben muss.
In der Gesellschaft hier wird die Frau dafür verantwortlich gemacht, dass sie vergewaltigt wurde.Das heißt sie muss das Kind abgeben, weil sie fortan geächtet ist.
Selbst wenn diese Frau ihr Kind hätte behalten wollen und es einfach als ihr eigenes ausgegeben hätte, ist sie immer noch unverheiratet mit Kind, ein absolutes No-Go  hier  und zweitens ist das Baby weiß, so weiß wie ich bevor ich hier her kam. Wie  das kommt können wir uns ja alle denken.
Als ob die ganze Sache nicht schon schlimm genug wäre ist die Mutter taubstumm. In Gebärdensprache hat sie uns, soweit ich  das richtig  gedeutet  habe, gebeten aufzupassen, dass es der Kleinen gut geht und sie nicht so viel  weint.
Da wurde die Kleine genommen und nach drinnen gebracht. Und nun liegt sie da, in ihrem Bettchen, mit mittlerweile 15 Lebenstagen und weiß Gott sei Dank noch nicht was ihr lüht. Wenigstens hat sie sehr gute Chancen adoptiert zu werden, da Singhalesen weiße Kinder lieben.

Die Nachmittage sind im Moment nicht ohne. Vera und ich waren die ganze Woche alleine, bzw. an einem Tag war ich sogar ganz  alleine.
Rein statistisch schreien mittags von den vierzig Kindern immer 5, 5 brauchen eine neue Windel, 2 sind krank und 2 sind wach und schlagen ihre  Köpfe gegen das Gitter oder bewegen sich die ganze Zeit vor und zurück, wie ein gefangenes Tier.
Währenddessen sitzen 8 Mitarbeiterinnen rum und machen,naja nichts. Wenn sie was tun ist  es einfach sinnlos. Man füttert gerade ein Baby, das will nicht mehr essen, dann setzt man es auf.  Dann kommen die und drücken das Kind wieder runter und stecken ihm die Flasche in den Mund...
Der kleine Suannka hat den ganzen Tag gekotzt. Vera sagt, sie solen ihm besser keine neue Milch geben und was machen sie stecken ihm die Flasche in den Mund. Ein Baby glüht vor Fieber. Man sagt es ihnen, sie fassen es an und meinen "a bit". Dann wird es mit Baby-Cologne eingeschmiert und weiter ignoriert...

Generell brechen die Kinder sehr sehr oft. Man füttert sie und zehn Minuten  später hat  man alles auf dem shirt. Nebst den ganzen Kinderxkrementen, die sich dort im  Laufe des Nachmittags  so ansammeln. Manchmal nimmt man ein Kind raus und die Windeln quillt schon über...sehr sehr unschön...

Eigentlich darf man ja  keine Bilder machen, aber Vera und ich haben unter Einsatz unseres Lebens heimlich ein paar Bilder gemacht:





Meine erste eigene Klasse

Als ich am Donnerstag in die Schule kam und im  Büro der Rektorin nachfragte, wo ich denn hingehen solle, war die Antwort mal wieder: "Anywhere" (wohl das einzige englische Wort, das sie kennt).


Ich hab mich  dann auf den Weg gemacht um eine Klasse zu finden, die aussah als ob sie noch jemanden gebrauchen könnten, als der Englischlehrer kam und "no,no" rief.
Er brachte mich dann zu einer Klasse mit 6 Mädchen und einem Jungen, deren Lehrerin krank ist.

Ja, da war ich dann also, mit 7 stark behinderten Mächen und Jungen im Alter von so etwa 12-15.
Glücklicherweise eilte Steve, ein Freiwilliger aus Australien, herbei und wir nahmen die Sache gemeinsam in Angriff.

Völlig ahnunsglos nahm ich also die Plastikzahlen und Buchstabenwürfel aus dem Schrank und wir machten uns daran den Kindern das Zählen auf Englisch beizubringen.
Wie sich herausstellte ein schwieriges Unterfangen, da wir den Kindern zunächst das richtige Zählen auf Singhalesich beibringen mussten.
Dann machten wir weiter mit den englischen Zahlen. Mündlich beherrschten die Kinder die Zahlen wenn man immer neu von one anfing relativ schnell. Wenn man aber einzelne Zahlen  auswählte und diese hochhielt wurde wild durcheinander geraten und meistens eben auf Singhalesich.
Ich hatte die Zahlen  alle schön der Reihe nach angeschrieben und den englischen Ausdruck dahinter. Ein Junge wollte das dann unbedingt abschreiben, dann wollten wir, dass die anderen das eben auch machen.

Als sie dann machten, stellten wir fest, dass sie die Buchstaben einfach nur genauso abmalten, wie ich sie angeschrieben hatte.
Also mussten Buchstaben her.
Das war nun aber gar nicht so einfach, da viele der Kinder nicht richtig sprechen können und Buchstaben nun mal sehr schwer auseinander zu halten sind.

Nach  zwei Stunden konnten aber die meisten  zählen und mit viel Hilfe wurde auch das Alphabet richtig aufgesagt und geschrieben.


Die Kinder können sich ja nur eine gewisse Zeit lang konzentrieren und so beschlossen wir draußen ein paar Spiele zu machen. Die Kinder sind total ausgeflippt über die Springseile, die ich mitgebracht habe. Aufgrund der körperlichen Beeinträchtigungen kann diese aber wohl kaum jemand dort benutzen. Die Kinder wollten dann also, dass ich und Steve springen. Mit Flipflops natürlich  etwas schwer. Also musste ich mich dieser entledigen und barfuß auf  dem Schotter Seilspringen. Wenigstens war es eine  gute Zählübung für die Kinder, die brav auf Englisch meine Sprünge zählten.

Wir haben dann Plumssack mit einem Ball  gespielt, was die Kinder liebten.  Auch das Viereinrennen (andeinandergebundene Füße) fanden sie super. Ich habe noch nie so strahlende Kinderaugen gesehen, wie beim Limbo mit Springseilen.
Anschließend wurden dann noch fleißig Buchstaben, Zahlen und Tiere, die wir den Kindern aufmalten ausgemalt und ich habe versucht die Kinder dazu zu bringen englische Kinderlieder zu singen. Aber sie wollten lieber nur meinem Blockflötengedudel zuhören.

Ich war doch sehr  überrascht, als der Englischlehrer uns später erzählte, dass alle Kinder der Klasse Analphabeten sind. Das heißt sie können nicht in ihrer Sprache schreien oder lesen.


Da aber weder Steve noch Ich die singhalesiche Schrift beherrschen beschlossen wir   am nächsten Tag einfach die Zahlen zu  wiederholen und Buchstaben nun zu Wörtern zu verknüpfen.
"This is an A, as in Ant". Ich hab dann immer einen Gegenstand oder ein Tier gemalt und die Kinder habens dann unter Einsatz all ihrer Kraft ausgemalt. Ich habe noch nie ein Kind so fest aufdrücken sehen. Ich habe die vier Packungen Buntstifte, die ich mitgebracht hatte mindestens zweimal komplett angespitzt.Am Ende hatte ich sogar eine üble Blase am Finger.

Ein Mädchen in der Klasse ist sehr schwierig. Alle nennen sie nur "nasty girl". Sie sitzt in der Klasse und telefoniert lautstark mit ihrem Taschenrechner, fängt einfach an zu essen oder ärgert die anderen Kinder. Wenn ich sie störe nennt sie mich die ganze Zeit "nasty". Ich glaube ich mag sie nicht  ;-) Auf Steve hört sie wenigstens ein  Bisschen.

Die Kinder kleben ansonsten an unseren Lippen. Die Gummibärchen wurden erstaunt entgegengenommen und  auf ihre Essbarkeit überprüft und allen anderen Kindern gezeigt.
Das war auch das erste Mal, dass die Direktorin sich um uns geschert hat. Sie kam, als sie sah, dass viele der Kinder Gummibärchen hatten und sagte nur: "Toffee, Toffee". Als ich sagte: "All gone" und mit der leeren Tüte winkte, war sie richtig beleidigt.







ich  und mein jalua (best friend) Baschi <3

Dienstag, 3. Mai 2011



little baschi

santaka, ein autist, der immer, also wirklich immer "Halooooooooooooooo" ruft









Der ganz normale Wahnsinn

Seit letzter Woche arbeite ich morgens nicht mehr im Kinderheim sondern in meinem eigentlichen Morgen-Projekt der "Dissanayake Junior School for mentally and physically disabled children".

An meinem ersten Tag wurde ich ganz nett aufgenommen und begrüßt.
Der Englischlehrer, der einzige der,wenn auch sehr fehlerbehaftet, Englisch spricht ( und nicht nur versteht) führte mich herum und stellte mich der Direktorin und anderen Lehrer vor.  

Das Schulgebäude an sich ist für srilankische Verhältnisse ganz ok.Es gibt mal wieder keine einzelnen Klassenräume sondern die Lerngruppen sind nur durch Holztrennwände separiert.       
Richtige Fenster gibt es nicht, die sanitären Anlagen sind naja, Sri Lanka halt.

Spielzeug und Unterichtsmaterialmäßig sind sie  ganz gut ausgestattet. Da die Schule vom Tsunami komplett ausgespült und teils niedergerissen wurde sind die meisten Bauteile gespendet und zusammengewürfelt. "We got this from those, that from those, oh yes, that's from  a German guy..."

Meine Mitbringsel wurden gleich in einen Glasschrank einsortiert und beschriftet, der Schrank und die Ordnung kommt  von einem deutschen Ehepaar.


Einige der Lehrer, unter anderem auch  der Co-Direktor, sind selbst körperlich behindert. Indika, ein Kunstlehrer hat völlig umgebogene Füße, der Co-Direktor hat kein Gefühl in den Beinen.


An meinem ersten Tag habe ich dann zusammen mit Indika, der in diesem Fall  mein Übersetzer war (er versteht Englisch, kann aber nicht sprechen, sondern schreibt es auf), eine Klasse geistig schwerstbehinderter Jungen beim Malen beaufsichtigt. Ich habe Linien gezeichnet und die Kinder haben es dann ausgemalt. Nach etwa 30 Bildern gingen mir echt die Ideen aus, sodass ich die Kinder sogar Igel malen ließ, ein Tier, welches es hier definitiv nicht gibt.
Erstaunlich hoch im Kurs war die Annanas. Alle schrien lauthals "Annasi!!!!".

Generell sind die Klassen in der Schule nach dem geistigen Zustand der Kinder eingeteilt. Es kommt also durchaus vor, dass 17-Jährige mit 10-Jährigen in einer Klasse sind.
In der Klasse  vom ersten Tag waren zwei Down-Syndrom Jungen, die sogar älter als ich waren, aber wie 14 aussahen.

Die Konzentrationsspanne ist sehr kurz bei den Kindern. Die meisten sind so stark beeinträchtigt, oft  sowohl körperlich als auch geistig, dass die meisten gar nicht ihren Namen wissen.
Man kann  eine Aktivität immer nur für höchstens 20min durchziehen, danach ist dieKonzentration aufgebracht und alle springen auf, rennen herum müssen zur Toilette usw.
Die einen malen ein Bild ganz ordentlich  aus, andere malen einfach das ganze Blatt und alles um sie herum an.


Alleine kann man so eine Bande gar nicht bändigen, da muss mindestens mal  jemand dabei sein, der mehr Sinhala als "Epa" beherrscht um die Kinder wenigstens davon abzuhalten sich ständig zu hauen.

An meinem ersten Tag ernannte man mich zur neuen Musiklehrerin, da die alte kürzlich in den Ruhestand gegangen ist und sagte, ich könne am Montag mit eigenem Stundenplan anfangen.

Als ich am Montag wieder kam gab man mir den Schlüssel zum Musikraum, ich sollte mir mal einen Überblick über den Vorrat an Instrumenten machen.
Ich war gerade  dabei ein paar Tische zusammen- und Stühle aufzubauen nachdem  ich die Geigensaiten neu aufgezogen und gestimmt hatte, als ein  Lehrer mit einem Mann reinkam und die Schränke, die ich gerade feinsäuberlich sortiert hatte, ausräumte.

Sie zählten  dann alle  Instrumente  und schrieben die Mengen auf. Dann kamen die Direktorin, der Codirektor und zwei Kinder hinzu und es wurde erstmal eine Stunde in Sinhala geplaudert. Ich saß da und hatte keine Ahnung was vor sich geht. Am Ende der Plauderei eröffnete man mir, dass der zweite Mann der neue Musiklehrer sei.
Er würde morgen anfangen und ich solle ihm helfen. Nett, dass der Mann kein Wort Englisch spricht.
Er  nahm dann, wieder meines Protestes die frischreparierte Geige  aus dem Kasten und drehte an den Wirbeln. Ergebniss, Saiten reissen wieder....toll!
Dann gab es wieder eine Diskussion zwischen dem Grüppchen. Ich fragte was das Ergebnis sei, man sagte mir man müsse erst darüber nachdenken, wie lange die Kinder laufen können.
Häh ??????
Man erklärte mir dann, dass die Kinder zwar 1,5 Kilometer, aber nicht 2  laufen können, weil, vielleicht hätte ich das schon gemerkt, sie seien nicht so ganz normal...
Bitte ???
Dann sagte der Lehrer, ja in der Parade, da wollen die, dass die Kinder viel laufen...
Nach viel hin und her erfuhr ich dann, dass es jdes Jahr eine Parade, bei derKinder aus der Schule mit Trommen mitlaufen und dafür sollen sie in Musik üben...Meine Güte, was ein Krampf...


Heute morgen bin ich dann gleich Richtung Musikraum und wollte mit dem Unterrich starten,  doch  keiner da.
Der Lehrer hat in  einer anderen Klasse mit Kindern gemalt.Da den ganzen  Tag niemand dort hin kam und weder Direktorin noch Codirektor auf  meine Nachfrage hin keine Anstalten machten mich irgendwo hin zu schicken, bin ich dann einfach in eine der Vorschulklassen und habe mit den Kleinen  gemalt, gebastelt und Seifenblasen fliegen lassen.
Die meiste Zeit verbringt man aber in den Klassen damit,sich vor den  Schlägen der Kleinen zu ducken. Sie wissen nicht, dass Hauen keine angemessene Zuneigungsbekundeung ist und  können nicht verstehen,  dass ich es nicht mag, wenn sie mich beißen, mir irgendwas auf den Kopf oder Rücken hauen oder mir in die Arme beißen.

Weiterhin werde ich  von den Kindern als  Abtrockentuch, Malpapier und Stuhl benutzt.
Alles in Allem ist die Arbeit extrem anstrengend. Die Kleinen haben  zwar ihre Eltern dabei, da sie seit dem Tsunami große Angst haben ihre Kinder alleine zu lassen, aber die können die Kleinen nur bedingt ruhig halten.
Manche  wollen auch nicht, dass die Weiße mit ihren Kindern spielt.Andere sind ganz begeistert.
Die Kinder sind sehr süß. Zum Abschied küssen sie mir, wie den anderen Lehrern die Füße und rufen "Ayubowan, teacher !".
Die Arbeit an sich ist eigentlich echt sinnlos. Heute habe ich eine Stunde lang Papierkügelchen auf Blätter geklebt.Die Lehrerin in der Klasse wollte unbedingt, dass die Kinder das machen. Aber die haben sich gar nicht an mir gestört und haben weiter Quatsch gemacht. Außer klebrige Finger ist also wenig rumgekommen.
Es gibt eine ziemlich große Zahl an Personal. Aber keinen der mich braucht. Die Lehrer können nicht mit mir kommunizieren, also lassen sie es und ich weiß meistens nicht was ich machen soll.

Als ich heute die Seifenblasen und Ballons ausgepackt habe, habe ich regelrecht einen Tumult verursacht. Seifenblasen gibt es hier nicht und für Ballons gibt es kein Geld.

Die Kinder kommen immer zu mir und reiben meine Arme und riechen an meiner Haut. Sie denken, die Farbe müsse irgendwie abgehen.

Sonntag, 1. Mai 2011

Wenn man feststellt, dass...

man die Welt nicht verändern kann, dann ist das hart.

Man verlässt nach 12,5 Jahren die Schule, hat einen genauen Plan von Allem und nichts kann einen stoppen.
Man glaubt man hat schon viel gesehen, glaubt man weiß wie andere Kulturen funktionieren und macht Pläne über Pläne.
Ja Pläne kann man viele machen bevor man nach Sri Lanka kommt, aber mitzunehmen braucht man sie nicht.
Denn eigentlich ist immer alles anders, als man es sich vorgestellt und geplant hat.

Man glaubt man arbeitet in einem Waisenheim und einer Schule für behinderte Waisenkinder und wo landet man ? Zunächst in einem Waisenhaus mit Babys und dann in einem Heim für behinderte Erwachsene. Erst nach viel Einsatz und Organisationsgeschick habe ich es jetzt geschafft am Morgen in der Schule unterrichten zu können und dann ab Mittag bei den Waisen arbeiten zu können.

Man glaubt  man ist mental auf alles vorbereitet. Glaubt einfache Lebensbedingungen, Dreck und Armut können einem nichts anhaben. Doch spätestens wenn man nachts die Ratten hört und Kakerlaken und Bettwanzen im Bett hat ist der Spaß vorbei.
Wenn morgens Mütter barfuß ihre schwerstbehinderten Kinder in die Schule bringen, deren Schuluniformen vor Dreck stehen, da sie das einzige sind, was sie an Kleidung haben und Neugeborene verzweifelt nach Luft schnappen, weil sie so stark erkältet sind, dann, dann ist jede Vorbereitung egal und man möchte einfach nur noch weinen.

Man glaubt die Hitze kann einem nichts anhaben, freut sich sogar über die Wärme. Doch wenn man dann um zwei Uhr nachts immer noch hellwach unter seinem Moskitonetz liegt, weil das Zimmer auf Grund von Fensterlosigkeit und geschlossener Tür wegen Rattengefahr, einer Sauna gleicht, dann wünscht man sich man wäre in Alaska.

Man denkt man sei in der Lage emotional Abstand zu halten und dass man das alles packen kann. Wenn man dann aber in seinem Bett liegt und der Babygeruch den Modergeruch der Matratze überdeckt und das Schreien der Babys nicht aus den Ohren gehen will. Wenn man pausenlos darüber nachdenkt, ob man das kranke Baby morgen nochmal sehen und ob das autistische Mädchen jemals eine Familie finden wird, merkt man, dass das nicht so einfach ist.



Die Arbeit hier ist hart, täglich stößt man an seine Grenzen. Und die Grenzen scheinen täglich eher noch näher heran zu rücken, als sich weiter von einem zu entfernen.
Wenn man unter so starkem Schlafentzug steht und eine Erkältung mit sich heruum schleppt und die Haut gegen die Mischung aus Moskitospray und Sonnencreme rebelliert fällt es einem nicht so leicht so manche Dinge wegzustecken.

Diese Woche haben sich viele schlimme Dinge gehäuft.
Im Waisenhaus hatten wir Freiwillige einen riesigen Streit mit der Leiterin. Am Vortag hatten die beiden Letzten von uns einen Pack Windeln vergessen. Dieser war am nächsten Tag verschwunden. Da als wir kamen alle Babys in Stoffwindeln waren und ihre Betten völlig eingenässt und verschmutzt waren, waren die Windeln offensichtilich mal wieder gestohlen und nicht verwendet worden.
Auch eineiges an Spielzeug, welches die Kinder bekommen hatten, war schon wieder nicht mehr da.
Das Personal, das einen ohnehin nicht versteht, wohl auch nicht verstehen will, wusste mal wieder gar nicht, was wir wollen.
Wir erhofften uns Hilfe von der Leiterin und sprachen sie auf die Situation an. Diese konnte das ja so gar nicht vertstehen. Wir baten sie lediglich darum, ihr Personal zu disziplinieren und diese daauf hinzuweisen, dass das Stehlen von Waisen keine feine Art ist.
Darauf hin meinte sie, die Pampers seien ohnehin total schlecht, die Kinder bekämen darin Wunde Popos und verbot uns fortan Windeln mitzubringen. Als wir versuchten ihr zu erklären, dass es eher Stoffwindeln sind, die diesen Schaden anrichten und dass sie dann auch mal die Bettücher wechseln müssten, wenn die Kinder fortan nicht den ganzen Tag in ihren eigenen Exkrementen liegen sollen, rief sie unseren Gastvater an und wollte uns alle rauswerfen.

So ein doofer Streit ist natürlich nicht nur überflüssig, sondern macht einen richtig wütend. Da kommt man dort hin, gibt massenweise Geld für Pampers aus, damit die Kinder wenigstens nicht immer im Nassen liegen, ist der einzige der sich (zumal auch noch unentgeltlich) ordentlich um die Kinder kümmert und muss dann dafür kämpfen, dass man dort weiterhin arbeiten kann, während andere fürs Stehlen und Rumsitzen bezahlt werden.

Am selben Tag kam dann auch noch ein neues Mädchen ins Heim. Ihr Vater muss alle seine vier Kinder abgeben, da seine Frau mit einem anderen Mann abgehauen ist und er kein Zuhause mehr hat. Die Kleine, wohl so etwa 3 Jahre, ist seit diesemm Tag völli durch den Wind. Niemand kann sie beruhigen. Mit leerem Blick klammert sie sich völlif depressiv an das nächstebeste Bein und weint sich die Seele aus dem Leib.
Der Schmerz, den dieses Kind fühlen muss, ist wohl unbeschreiblich groß.
Wäre sie eines der kleinen Babys könnte sie das wegstecken. Aber so ist sie sich eben der ganzen Situation genau bewusst. Sie kann nicht verstehen warum ihr Vater einfach wegging und sie nicht mehr mit ihren Geschwistern zusammen sein kann. Wie soll sie verstehen, dass man sie alleine lassen muss in einer neuen Umgebung mit fremden Menschen und vielen anderen Kindern, die wenig Rücksicht auf ihre Trauer nehmen ?

Morgen mehr....

Donnerstag, 28. April 2011

Ein Mal durch ganz Sri Lanka in vier Tagen


5.30 Uhr in Galle: Ich breche zusammen mit meinem Gastvater auf um in vier Tagen alle großen Sehenswürdigkeiten Sri Lankas zu erkunden. Es regnet in Strömen, unglaublich heiß ist es aber natürlich trotzdem.
Nun muss man wissen, wenn man in Sri Lanka in einen Van einsteigt, dann fährt man mindestens sechs Stunden ohne ein Mal anzuhalten. Der Singhalese geht anscheinend nie zur Toilette und alle zwei Stunden Pause machen ist anscheinend auch nur was für uns Europäer.
Also polterten wir vier Stunden ohne Unterbrechung im strömenden Regen die „Straße“ in Richtung Pinnuwala herauf um zwei Freiwillige abzuholen, die dort im Elefantenwaisenhaus arbeiten.
Wir hielten nur an, weil ich nach vier Stunden einfach nicht mehr anhalten konnte und bettelte, ob wir doch bitte mal irgendwo alt machen könnten.
Wenn man aber dann die Tür der sri lankischen öffentlichen Toiletten aufmacht überlegt man doch ein zweites Mal ob man wirklich zur Toilette muss.
Die Löcher im Boden, ohne Spülung, sind dann doch etwas ungewohnt ;-)
In Pinnuwala angekommen luden wir nur schnell Amanda und Sisal ein und weiter ging die Fahrt Richtung Sigirya.
Sigirya ist ein riesiger Fels, hab vergessen wie hoch, auf dem und  auch rundherum ein König damals ein Königreich mit etlichen Gebäuden und Tempeln errichtet hat. Besonders sehenswert sind die originalen Bemalungen der Höhlen im Fels. Die Bemalungen zeigen die 500 Frauen im Harem des Königs.
Der Aufstieg war für mich nicht so einfach. Nicht weil, wie unser guide meinte ich nicht so fit sei, sondern die 3200 klitzekleinen nassen Stufen, die auf den Felsen heraufführen, an der Außenseite befestigt sind und man genau sieht wie weit man sich vom Grund entfernt..
Letztendlich habe ich es aber geschafft und konnte einen atemberaubenden Blick auf die immergrüne Landschaft des Landesinneren werfen.
Der König hat tatsächlich ganz oben auf diesem Fels ein ganzes Königreich gebaut, von dem zwar jetzt nur noch Ruinen da sind, welches aber wunderschön und majestätisch gewesen sein muss. Es gab dort oben sogar mehrere Pools für seine Haremsdamen.
Im Hotel angekommen machten wir im Bad Bekanntschaft mit kleinen Babyfröschen, dicken fetten Käfern und natürlich haufenweise Moskitos, aber an die hat man sich ja mittlerweile gewöhnt.
Am nächsten Tag besuchten wir dann Anuandhapura, die erste Hauptstadt Sri Lankas und Heimat des ältesten Tempels Sri Lankas. Am Tag zuvor hatte es ja so stark geregnet und so bahnten wir uns mit dem Van unseren Weg über überflutete Pfade.
Ich glaube ich war noch nie irgendwo wo es so heiß war wie in Sigirya. Die Sonne brannte vom Himmel und kein Lüftchen ging.
Wir besuchten nicht nur den ältesten Tempel Sri Lankas sondern auch den Platz des heiligen Baumes, der 2400 Jahre alt sein soll, die größte Dagoba der Welt, den ersten Tempel des Zahnes und einige weitere Sachen die unser unglaublich nerviger Guide (der nachdem er wusste, dass ich Deutsche bin, jeden Begriff in grauselig schlechtes Deutsch übersetzte, und einfach nicht damit aufhörte, obwohl ich hundert mal beteuert habe, dass ich alles verstehe).
Buddhisten aus ganz Sri Lanka pilgern nach Anuandhapura um beim heiligen Baum ihre Wünsche vorzubringen und im Tempel zu beten. Man sieht sehr viele Mönche und Nonnen in ihren orangenen Gewändern, die Buddha Milchreis und Lotusblumen bringen.
Nach einem langen Tag sind wir dann abends wieder in unser Hotel zurück und wiederum am nächsten Morgen früh aufgebrochen um die Tempelanlage in Dambulla zu besichtigen. Diese besteht aus fünf Höhlen, die als Tempel angelegt sind. Es gibt viele wunderschön verzierte Buddhastatuen. Jeweils eine sehr große, die liegt und hunderte die aufrecht stehen.
Die Wände sind mit wunderschönen Malereien verziert. Alles in Allem ist der Buddhismus eine wirklich große Sache.
Die Nachwirkungen des Buddhistischen Neujahrsfestes sind immer noch zu spüren, an jeder Ecke gibt es Tempel, die buddhistische Flagge ist omnipräsent.
Deshalb sind auch die meisten Sehenswürdigkeiten Sri Lankas einfach Tempelanlagen oder heilige buddhistische Orte, die aber alle extrem schön sind und eine ganz ruhige, kontemplative (la3 vor ;-) Ausstrahlung haben.
Den vierten Tag haben wir fast komplett im Van verbracht. Im Affenzahn sind wir die Serpentinen des sri lankischen Hochlands hochgerast. Es ging höher und höher und höher, mittendrin gingen sogar meine Ohren zu. Wir fuhren durch die ganzen Teeplantagen, die das Hochland bedecken. Hunderte Frauen krabbeln in den Teeplantagen umher, bepackt mit riesigen Säcken, in denen sie die Teeblätter sammeln. Ab und zu fährt ein LKW vorbei, der in einer Art Metallkäfig die Arbeiter von einem Feld zum anderen fährt. Je höher man kommt umso mehr Blumen sieht man. Alle paar Meter springt ein Blumenverkäufer auf die Straße und möchte den Insassen der Touristenvans Sträuße andrehen. Die Vanfahrer sind das mittlerweile schon so gewöhnt, dass sie noch nicht mal abbremsen.
Am letzten Tag waren wir auch in Nuwara Eliya, auch little London, genannt. Diese ehemalige Kolonialstadt der Engländer ist die einzige Stadt in Sri Lanka, in der es jeden Tag kalt (also im Sinne von 18-20°C) ist.
Dementsprechend zog unser Fahrer auch gleich eine dicke Wollmütze an.
Die Singhalesen in Nuwara Eliya trugen alle dicke Fleecjacken, Winterstiefel, die Kinder waren eingepackt in Schals und Wollmützen.
Nuwara Eliya ist auch der einzige Ort in Sri Lanka an dem Erdbeeren gedeihen.
Deshalb ist dort alles voll mit Erdbeerwerbung, jedes Restaurant hat ein Schild mit seinen Erdbeerangeboten draußen. Dann machten wir uns auf den Heimweg. 3 Stunden bis nach Pinnuwala und dann noch mal 6 Stunden durch die stockdustere Nacht über die Ruckelpiste nach Galle. Autofahren ist in Sri Lanka nachts einfach noch viel bedrohlicher, bzw. sieht zumindest so aus. Wenn einem auf der eigenen Spur 5 Lichter entgegenkommen ist das doch sehr gruselig….
Ich hab also erst mal genug vom Autofahren und das nächste Wochenende wird komplett am Strand verbracht.


Freitag, 22. April 2011


Donnerstag, 21. April 2011

Heute morgen waren die Kleinen realtiv ruhig. Natürlich das übliche Weinen, Wickeln, Füttern usw. Eines der ganz kleinen Babys, welches gerade 6 Wochen alt ist, ist sehr krank. Es kann einfach nicht atmen, weil seine Lunge so verschleimt ist. Dann liegt es da in seinem Bettchen schnappt verzweifelt nach Luft, hat schon gar keine Tränen zum weinen mehr übrig, und der Schleim läuft aus der Nase…Da ich nicht weiß, wie ich die Lunge frei bekommen kann habe ich ihren Rücken etwas höher gebettet, sodass sie nicht ganz flach liegt. Aber die Frauen im Heim wollen nicht, dass die Kleinen Kissen zum Schlafen haben, also nehmen sie es weg. Dann liegt der Winzling wieder da, schaut dich mit großen Augen an und man weiß nicht was man machen soll. Auch die hundertste Aufforderung doch mit dem Baby ins Krankenhaus zu gehen wird einfach ignoriert oder mit „no, no doctor!“ abgetan. Dann nehmen sie die einzige Pipette die sie haben, füllen sie mit irgendeinem Grippemittel, dass hier gegen alles hilft ;-) und tropfen es der Kleinen in die Nase. Als ob das das Problem lösen würde…
Ich rege mich jeden Tag darüber auf wie unterschiedlich doch die Leben zweier Kinder sein können. Während es von den meisten westlichen Babys mindestens 2 Fotoalben und einen Karton von Kindheitserinnerungen gibt, werden die meisten Babys im Heim nicht mal beim Namen gerufen.
Die meisten Kinder in Deutschland haben einen Schnuller, Kuscheltiere, Windeln, ein Kissen und eine Decke, eine Menge Kleider und Schuhe, ihre eigene Flasche und einen Hochstuhl.
Hier natürlich alles Fehlanzeige. Angezogen wird das, was gerade nicht dreckig ist, egal ob es passt oder nicht, egal ob Mädchen oder Junge. Alle Kinder im Heim haben geschorene Köpfe und sind stets barfuß, auch wenn die etwas älteren draußen sind, tragen sie keine Schuhe. Fragt man unsere Eltern wann wir das erste Mal unseren Kopf hoch hielten, krabbelten oder gar liefen, wissen sie das mit ziemlicher Sicherheit ganz genau. Im Heim kann keiner sagen, wann das Baby zum ersten Mal aufstand oder seit wann der Kleine „Byebye“ sagt wenn die Freiwilligen nach Hause gehen.
Die meisten Dinge lernen die Kinder weil sie es müssen. Sie müssen ihre Flasche schnell selbst halten, weil es sonst nichts zu Essen gibt, sie müssen schnell laufen lernen, damit sie nicht von den anderen im Laufstall überrannt werden, während sie herumkrabbeln, sie müssen schnell lernen sich selbst zu beruhigen und den Brei dann zu essen wenn sie ihn bekommen und nicht wenn sie Hunger haben. Füttern ist im Allgemeinen das Schwierigste. Gefüttert wird dann wenn man das Kind einfach nicht ruhig bekommt. Das führt dazu das ganz Stille Kinder eben dünner sind und andere, die einfach immer weinen mit kaum einem Jahr Rekordgewichte auf die Waage bringen. Eines der Babys, ein Mädchen, wiegt mindestens 6kg. Sie weint einfach den ganzen Tag. Ich nehme sie so oft wie möglich raus und lasse sie rumkrabbeln anstatt einfach noch mehr Brei in sie reinzustopfen, damit sie wenigstens für ein paar Minuten ruhig ist. Das meiste Essen landet ohnehin immer auf uns Freiwilligen. Es gibt keine Hochstühle, also wird auf dem Schoß gefüttert. Das führt dann dazu, dass Kinder die sich gegen den immergleichen Matsch aus gekochtem Gemüse wehren den ganzen Pamp auf einem verteilen und meistens neu eingekleidet werden müssen.
Wenn man da sitzt, ein kleines Würmchen auf dem Arm und versucht diesen mit ein paar Songs (ich dachte immer der „We Kittens like to walk along down the street“-Song würde mir nie zum Hals raus hängen, aber das tut er mittlerweile ;-) denkt man viel darüber nach was aus diesen Kindern werden soll.
Diejenigen, die einigermaßen clever sind und sich gut durchboxen könne, werden es eventuell nach 18 Jahren im Heim schaffen ihren eigenen Weg zu gehen. Aber was ist mit denen, die nicht so clever, der etwas schwach sind? Der kleine Benjamin z.B. hat Koordinationsschwierigkeiten. Er hält seine Arme immer angewinkelt und obwohl er schon fast ein Jahr alt ist, zieht er beim Krabbeln seine Beine noch hinterher, weil er sie nicht kontrollieren kann. Er ist klein und zerbrechlich. Für ihn besteht keine Chance. Ich will nicht wissen wo er mal landet.
Wir Freiwilligen scherzen immer darüber, wen wir mit nach Hause nehmen wollen.
Wilma ist ganz vernarrt in die kleine Malki, die gerade anfängt zu laufen. Sie will ihr gerne Schuhe kaufen. Die wären natürlich auch notwendig, wenn man so ein Kind im Flugzeug mit nach Hause nimmt. Vera, die Österreicherin, mit der ich jetzt mein Zimmer teile, hat eine kleine Kindertasche mitgebracht, die könnte ihr Handgepäck sein ;-)

Krabbeltiere
Hier in Sri Lanka muss man auf Alles gefasst sein. Es gibt alle möglichen kleinen Krabbeltiere und Reptilien. Von roten beißenden Ameisen, über Skorpione, zu Schlangen, Geckos, grünen Echsen, Kakerlaken usw.
Man darf nicht zu sehr erschrecken, wenn eine Kakerlake das Moskitonetz hochkrabbelt, eine Echse über den Spielplatz des Kinderheims krabbelt (diese war eine kleine Version dieses Killertieres, das seine Kinder frisst, das wir im Senkenbergmuseum gesehen haben, in grün), in Klassenzimmer Ameisenhügel entstehen und kleine schwarze Viecher einen beißen und schreckliches Kribbeln an der Bissstelle hinterlassen.
Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt morgens ein paar Kakerlaken im Badezimmer zu begegnen und jeden Sitzplatz erst auf die Anwesenheit von roten Ameisen zu überprüfen.
Woran man sich wohl nie gewöhnt sind die Spinnen, die oft einfach so von der Decke fallen. Als ich gestern Benjamin fütterte, viel ein riesiges Exemplar von der Decke auf Benjamins Arm und krabbelte dann auf meinen Arm. Ich schüttelte die Spinne ab und diese krabbelte dann am Boden. Eine der Mitarbeiterinnen pickte das Riesending dann auf und zeigte sie dann tatsächlich einem kleinen Baby. Die Singhalesen sind so was einfach gewohnt. Ihr wundert es keinen wenn beim Abendessen eine Kakerlake vorbeifliegt...

Freitag, 22. April 2011
Jennifers Eltern haben eine Zeit lang nur Daal und Reis gegessen und sich dafür sponsorn lassen. Sie haben im Endeffekt knapp 800 Pfund gesammelt, die Jennifer nun in Projekte hier in Sri Lanka investieren kann. Einer ihrer größten Wünsche war es einen Teil des völlig zerfallenden Schulgebäudes zu renovieren, in dem sie morgens unterrichtet.
Da diese Woche Ferien sind, hat der Direktor ihr erlaubt ein kleines verrottendes Gebäuder mit vier Klassensälen zu renovieren. Er wollte natürlich die Farben aussuchen. Eigentlich wollte Jennifer nur die Innenseite renovieren, aber wenn der Singhalese mal etwas Besserung und Geld in Aussicht hat, dann greift er zu. Also bestimmte er, dass auch die Außenseite gemacht werden muss.
Wir sind dann los und haben die Farben, die er geordert hat, sowie Pinsel usw. gekauft. Am ersten Tag haben Jennifer und Wilma, mit Hilfe von zwei Einheimischen Handwerkern, die „Fenster“ (ohne Glas, eine Art Gitter) vom Rost befreit, die Tische und Stühle geschrubbt  und die Löcher in der Wand zugespachtelt. Am zweiten Tag ging es dann an das Streichen der Außenseiten, das Reinigen der Waschbecken, das Reparieren der völlig klapprigen Holzstühle und Tische, die jeweils ein rostiges Untergestellt haben und einen Teil der Innenwände. Als ich Mittags dazu kam habe ich allen Stühlen einen zweiten Anstrich verpasst, bzw. die Kanten, die Dineshi und Lahiro so großzügig ausgelassen hatten, gestrichen.
Heute haben wir dann alle Tische gestrichen, die Rückseiten und Gestelle der Stühle angemalt, die Sitzbänke gewaschen, geschliffen und angestrichen, den Außenbereich von Müll und Dreck befreit, die Gehplatten ordentlich gesetzt, die neuen Buddhas aufgestellt, die Tafeln mit klebriger Tafelfarbe gestrichen und alle Tische und Stühle wieder an ihren Platz gerückt.
Der Unterschied ist unglaublich. Zuvor waren die Klassenräume dreckig, völlig heruntergekommen, der Putz viel von den Wänden, die Tische waren so dreckig, dass man den Schwamm schon nach ein paar Quadratzentimetern auswaschen musste und ein riesiges Ameisennest bedeckte den Boden in einem Klassensaal.
Generell ist das Gebäude absolut suboptimal. Es ist eine Art großer Pavillion mit Trennwänden, die etwa bis zur Brust reichen, die vier Klassenräume abteilen sollen. Die Ziegel sind an vielen Stellen abgebrochen, es regnet herein. Wenn es in einer Klasse laut ist, ist es automatisch in allen Räumen laut. Die Metallgestelle schrabben über den blanken Beton, der den Fußboden darstellen soll. Es gibt weder Elektrizität, noch Wasser. Wasser gab es mal, aber da funktioniert nicht mehr, abgesehen davon waren die Waschbecken so voll mit Müll und Kleingetiers, dass ohnehin niemand seine Hände hätte waschen können.
Die Schule würde auch jetzt nach der Renovierung in Deutschland allein aus Sicherheitsgründen geschlossen werden. Aber für sri lankische und vor allem für die farbenliebenden Buddhisten ist sie nun wunderbar.
Sicher füllt eine renovierte Schule nicht die Mägen der armen Schulkinder, aber es macht ihnen eine Freude. Die Renovierung ist etwas, von dem alle profitieren. Es ist etwas, was nur für sie gemacht wurde, was man ihnen nicht wegnehmen oder vorenthalten kann. Leider bin ich am Montag zur Einweihung nicht da, aber ich bin mir sicher, dass die Kinder es lieben werden. Der Unterschied zu nachher ist unglaublich. Allein die neue Außenansicht ist ein himmelweiter Unterschied zu vorher.
Die beiden Handwerker, die gespachtelt und gemalt haben, hatten nun für 4 Tage von morgens 8 bis mittags 5 durchgearbeitet, nur für den von uns mitgebrachten Lunch haben sie kurz Pause gemacht. Dafür haben sie 40000 Rupies, etwa 35 Euro bekommen. Davon können sie hier so etwa 3 Monate leben. Für uns ein Hungerlohn, für die beiden der Auftrag ihres Lebens.
Heute kam noch irgendein Junge vorbei, der gesehen hatte, dass wir dort arbeiten. Er hat ohne Aufforderung den ganzen zusammengekehrten Müll vor dem Gebäude in Säcke verpackt und die Ränder der Tafeln gestrichen. Die 300 Rupies, die er bekommen hat, waren das Taschengeld seines Lebens.

Ich bin jetzt erst mal für vier Tage auf einem Trip zu allen wichtigen Sehenswürdigkeiten Sri Lankas. Wir fahren ins Elefantenwaisenhaus, nach Sirghariya, Kandy und Amadhapura.

Dienstag, 19. April 2011

Dienstag, 19.4.2011

Heute bin ich mit den anderen Freiwilligen, die hier wohnen in ihr Kinderheim gefahren. Dieses ist in viele verschiedene Bereiche gegliedert. Es gibt einen Raum mit Neugeborenen, 5 klitzekleine Babys leben dort. Dann gibt es die normalen Babys, etwa 20, die noch nicht krabbeln können und dann noch 11 kleine Krabbler und Renner, die wohl so 1 oder 2 Jahre alt sind. Es gibt ein paar Mitarbeiterinnen, aber die sind sehr beschäftigt damit Milch warm zu machen, zu putzen und die Kranken zu pflegen. Die Kinder die hier leben sind entweder Vollwaisen, wurden abgegeben (meistens weil die Eltern zu arm sind) oder wurden den Eltern vom Staat weggenommen.
Das heißt man hat als Freiwilliger sehr viel zu tun. Die Babys schreien, müssen gewickelt werden und natürlich auch gefüttert. Normalerweise legen die Mitarbeiterinnen die Flaschen einfach auf ein Kissen neben das Baby und dann muss die Milch irgendwie ihren Weg in den Mund hinein finden. Da es extrem war ist klebt die Milch, die an den Kleinen runter läuft fürchterlich und pappt an ihnen fest. Die Babys weinen viel, sie sind einsam, brauchen jemanden, der sie hält. Wenn man sie hoch nimmt hören sie sofort auf zu schreien, lehnen ihren Kopf an dich und lachen. Manche sind etwas moppelig, weil sie schnell gelernt haben wie man die Flasche hält und wahrscheinlich oft der Überblick verloren geht, wer schon gegessen hat und wer nicht. Es ist erschreckend wie 4 Monate alte Babys in ihrem Bett liegen und notgedrungen ihre Flasche selbst halten.
Andere sind relativ klein und mager für ihr Alter. Alle haben Schnupfnasen, wenn man sie hoch nimmt spürt man wie es in ihren Lungen rasselt. Verzweifelt versuchen sie den Schleim loszuwerden, der ihre Atmung blockiert. Ein winziges Neugeborenes, vielleicht vier Wochen alt, hat sich in seinem Bett nur vom Husten hin und her bewegt.
Die Krabbler und Renner sind anstrengend. Sie haben eine Art Gehege, in dem sie ohne jegliches Spielzeug ihre Zeit fristen. Wenn man dieses betritt stürzen sie sich auf dich, verzweifelt nach Aufmerksamkeit suchend. Sie krabbeln auf einem rum, kabbeln sich und manche brabbeln sogar schon etwas. Auch hier schreit ständig einer und noch viel öfter hat einer eine volle Windel. Windeln gibt es nur, wenn die Freiwilligen welche mitbringen. Ansonsten werden Leintücher verwendet, entsprechend sehen morgens die Betten aus. Die Freiwilligen können ihre Pampers aber nicht dort lassen. Die Mitarbeiterinnen sind so arm, dass sie selbst sich keine Pampers leisten können und welche für ihre eigenen Kinder einstecken. Auch wenn Spielzeug gespendet wird verschwindet dieses auf mysteriöse Weise. Rein baulich ist das Kinderheim in einem relativ guten Zustand. Die Betten der Kinder sehen stabil aus. Im Krabblergehege kommt jedoch die Farbe von den Wänden, da die Kleinen aus Langeweile angefangen haben diese aufzukratzen. Die Kleinen sind sehr clever, viele können sich richtig gut an den Stäben hochziehen und beinächst über das Gitter krabbeln.
Die Kinder sind einfach alle unglaublich süß, knautschgesichtig mit riesigen Augen und winzigen Fingern. Wenn man an ihrem Bett vorbeigeht starren sie einen an und recken ihre Köpfe. Manche strecken die Arme aus, in froher Erwartung hochgenommen zu werden.
Einmal am Tag werden alle gebadet. Das heißt, alle ausziehen, alle in die Wanne, alle abtrocknen, alle wickeln und anziehen. Mein Gastvater bringt unser Mittagsessen vorbei, sodass wir nicht extra alle nach Hause kommen müssen. Als wir draußen saßen und unser Mittagessen aßen, kam eine der Mütter, die zwei Kinder im Heim hat ,vorbei. Sie brachten eins der Kinder nach draußen, sie hatte es 5 Minuten auf dem Arm und ging dann wieder. Ihr zweites Kind (6 Monate alt), welches ich zuvor gefüttert hatte, schien sie nicht zu interessieren. Als sie ging lächelte sie, keine Träne, nichts. Als sie kurz darauf wieder die Einfahrt hochkam dachten wir, sie wolle auch noch ihr zweites Kind sehen, aber weit gefehlt, sie hatte nur ihren Schirm vergessen. Wie kann man so etwas tun ? Kommen, das Kind 5 Minuten halten und wieder gehen. Ihr kleiner Sohn konnte nicht verstehen, dass er da bleiben musste, wie auch? Da saß er dann in seinem Gitterbett und war wieder allein. Die Frau sah nicht mal arm aus, hatte Schuhe, einen schicken Rock…Natürlich kann man so als Außenstehender gut sagen, dass man so etwas nicht tun sollte, bzw. ihr Verhalten verurteilen. In Wirklichkeit weiß man aber nicht, in welchen Umständen die Frau lebt usw. Manche Eltern die kommen sehen bettelarm aus. Sie tragen zerrupfte Kleider, keine Schuhe. Ich weiß nicht was besser ist: Besuchen oder nicht. Die Kleinen sind einfach so schwer zu beruhigen, wenn die Eltern gehen. Es bricht ihnen jedes Mal neu das Herz, aber wenigstens hat ihnen jemand für eine Zeit lang Aufmerksamkeit geschenkt.
Als ich heute mit dem kleinen schreienden Neugeborenen, das für jeden Atemzug seiner verschleimten Lunge all seine Kraft zusammennehmen musste umherlief um es zu beruhigen wurde ich wirklich wütend. Wütend auf die Menschen, die dieses kleine Wesen in die Welt gesetzt und dann einfach weggegeben haben, wütend auf die Menschen, die alles haben und noch nicht genug bekommen können. Man darf leider keine Bilder im Kinderheim machen. Ich hab schnell mit dem Handy ein Foto von meiner kleinen Lieblingsmaus gemacht, aber das kann ich leider nicht auf mein Laptop laden…

Montag, 18.4.2011

Heute war mein erster Tag auf der Arbeit. Eigentlich unterrichte ich morgens in der Schule und arbeite mittags im Kinderheim mit den behinderten Kindern.
Da aber wegen Neujahr Ferien sind machen alle Urlaub. Die Waisenkinder und die behinderten Kinder, die sonst im Heim leben wurden für die Ferien nach Hause geschickt oder sind sonst wo. Keiner weiß so wirklich wo die Kinder sind. Noch nicht mal der Chef war da. Nur so eine Art Vertretung, der kaum Englisch sprach. Dieser Mann war der einzige Mitarbeiter den man im ganzen Heim finden konnte. Er hat mich dann rumgeführt und Michael hat mir erklärt wo alles ist. Das Heim beherbergt aber ständig auch eine Gruppe von etwa 40 behinderten Erwachsenen. Diese waren heute da. Viele lagen in ihren Betten, manche liefen herum. Die Erwachsenen sind sehr stark beeinträchtigt. Die meisten sind nicht nur körperlich behindert sondern auch geistig. Einige scheinen Down-Syndrom zu haben, andere brabbeln die ganz Zeit vor sich hin und wieder andere rennen einem hinterher und wollen einem ständig die Hand schütteln. Die meisten sitzen im Rollstuhl, können nur schwer laufen, haben verkrümmte Rücken oder haben diverse Fehlstellungen, wie z.B. eine kaputte Hand. Das Heim ist in einem miserablen Zustand. Es wurde vom Tsunami damals komplett dahingerafft und das was bis jetzt wieder aufgebaut ist sieht schlimm aus. Kaputte Wände, klapprige Möbel, von der sanitären Anlage gar nicht zu sprechen. In den Schlafräumen findet man zusammengewürfelte improvisierte Pritschen mit einer Art Kleiderständer davor. Das Bett und die 2 bis 3 Kleidungsstücke davor ist alles, was die Menschen besitzen. Die Kleider, die sie tragen sind völlig löchrig, zu groß oder zu klein und stehen vor Dreck. In den Schlafräumen stinkt es stark nach Urin, ganze Schwärme von Fliegen kreisen über den Betten. Die meisten der Menschen dort können nicht zur Toilette und tragen Pampers. Ich weiß nicht ob über die Feiertage jemand da war um die Pampers zu wechseln, es roch nicht so. Die, die einigermaßen laufen können fahren die Rollstühle mit den verkümmerten kleinen Gestalten in ihnen herum. Es viel mir extrem schwer nicht zu weinen. Diese Menschen haben einfach nichts. Für sie ist in dieser Gesellschaft nicht mal am Rande Platz. Das Heim, welches komplett privat finanziert ist, ist der einzige Ort an dem sie sein können. Dort sitzen sie nun und fristen ihr Leben. Es gibt, wenn nicht gerade Feiertage sind, sehr vieles dort. Webstühle, Sticksachen, Physiotherapie und auch eine Art Doktor. Ich wollte eine Cd abspielen um mit den Leuten zu tanzen oder zu singen. Ging nicht, kein Geld für die Stromrechnung. Es macht mich so wütend wie diese Menschen leben müssen. Während in Deutschland so mancher an einem Abend 50€ in der Disko verbrasst könnte man hier jedem Bewohner des Heims wenigstens mal ein T-Shirt kaufen. Jeden Morgen waschen die Bewohner, die es können, die T-Shirts, damit sie für den Tag nächsten Tag was zum Anziehen haben. Obwohl 2 T-Shirts und ein paar Shorts das einzige sind, was diese Menschen materiell besitzen sind sie ganz glücklich: sie lächeln, kabbeln sich und freuen sich, wenn man bei ihnen ist. Doch wenn man der einzige Mensch in einer Scharr von behinderten Erwachsenen ist, die nicht deine Sprache sprechen, nicht wissen wer du bist und alle seit Freitag die selbe Pampers tragen ist das nicht witzig oder einfach nur anstrengend sondern einfach nicht machbar. Ich saß da ohne jede Ahnung was ich tun sollte. Zwei Tische, meine Blockflöte und ein Stapel Malbücher waren alles, was ich hatte um die Menschen um mich herum zu beschäftigen. Diese kamen, setzten sich, malten zwei Striche und fingen dann alle and auf mich einzureden, mir ihre Bilder ins Gesicht zu halten. Man verstand kein Wort. Nicht nur weil es Singhalesich sein sollte...Manche wollten das ich etwas male und wenn ich dann das gemalt hatte worauf sie zeigten, waren sie noch nicht zufrieden, sondern wollten anscheinend irgendwas anderes, von dem ich nicht herausfinden konnte was es war. Ein jüngerer Bewohner sagte ungefähr 100x malu, was Fisch heißt, aber keiner der Fische, die ich für ihn gemalt habe gefiel ihm. Ein Mann hatte eine Fernbedienung, die er als „Telefon“ benutzte, ein anderer eine Trommel um seinen Hals, auf die er einschlug. Beim Malen ließ sich ein Mann mit Down-Syndrom auf den Boden fallen, malte dort weiter und weinte. Er war aber so schwer, dass ich ihn nicht wieder aufheben konnte. Ich saß da wie erstarrt, völlig überfordert. Einer der Bewohner lief durch das Tor, welches ich nicht schließen konnte, auf die Straße, der „Manager“ holte ihn zurück. Ein paar der Maler liefen ganz aufgebracht in den Schlafsaal und kamen nicht zurück. Ich hab dann die Blockflöte ausgepackt und einfach das ganze englische Kindersongsbuch zweimal gespielt. Das beruhigte alle etwas, auch wenn es schon etwas gruselig ist, wenn einem ein kleiner alter Mann dabei ständig die Schulter streichelt und ein Frau das Notenbuch klauen will.
Eigentlich hatte ich frohen Mutes für einen ganzen Tag zugesagt, doch da es schon morgens klar war, dass meine Mithilfe während dieser Woche keinen Sinn machten Michael und ich aus, dass ich um 12 Uhr gehen kann. Ich habe noch nie so sehr auf 12 Uhr gehofft, nicht während meiner ganzen 12,5 Jahre Schule, noch nicht mal in Latein oder gar Mathe. Ich war völlig fertig, wütend, traurig und besorgt. Michael hat Gott sei Dank gleich gemerkt, dass ich das keine ganze Woche durchhalte und hat mich für den Rest der Woche, bis die Kinder wieder da sind, im normalen Waisenhaus eingeschrieben. Diese Menschen dort brauchen dringend Hilfe, aber nicht von mir alleine. Ich kann noch nicht mal 3 gleichzeitig händeln, alle 40 ohne jede Unterstützung und Einweisung ist außerhalb jedes Rahmens.
Mit Personal ist das wieder etwas anderes, aber nicht ohne und nicht die Erwachsenen, das packe ich nicht. Zu viel für „Ronakka“. Wenn die Kinder und das Personal wieder da sind wird alles anders. Dann bin ich in einem anderen Teil des Heimes, in der Schule und vielleicht kann mit auch mal jemand erklären, was ich tun soll.
Die anderen Voluntäre waren dort als alle da waren (Personal und Kinder) und Cadence hat zwei Wochen dort gearbeitet. Es soll sehr gut gewesen sein. Aber dieser Tag heute bedarf absolut keiner Wiederholung.

Sonntag, 17. April 2011


wilma und die kinder

mein bett

der Sonnenuntergang am strand vor dem haus

Samstag, 16. April 2011

Busfahren, oder die absolute Nahtoderfahrung



Heute haben Amanda und ich uns nach dem Frühstück aufgemacht um nach Mirissa zu fahren. Alle Reiseführer sagen, dass sei der allerschönste Strand hier.
Also ab zur Busstation, zum Bus durchfragen und reinquetschen.
das Haus meiner gastfamilie
Der Bus hatte wohl so etwa 40 Sitzplätze. Zu Beginn waren wohl so etwa 60 Menschen im Bus. Dieser setzte sich in Bewegung und schlängelte sich im Affenzahn durch die Straßen von Galle, an der Küste entlang. In Sri Lanka bezahlt man nicht beim Fahrer, sondern ein Mann geht rum und kassiert den Fahrpreis. Dieser Mann hängt die meiste Zeit der Fahrt aus der offenen Tür des Busses heraus und schreit den Namen der Endstation, in diesem Fall Matara. Wenn man an einer Art Bushaltestelle, in Sri Lanka wohl eher als zufällige Zusammenkunft vieler Reisewilliger zu bezeichnen, vorbeikommt und die Leute mitgenommen werden wollen bremst der Bus schnell ab, die Leute springen auf den mehr oder weniger noch fahrenden Bus auf und weiter geht’s. So füllte sich der Bus im Laufe der einstündigen Fahrt sehr schnell und schlussendlich waren wohl so 70 Erwachsene und 40 Kinder im Bus. Amanda und ich standen mitten im Gang, eingequetscht zwischen ein paar Singhalesen in der brütenden Hitze. Sobald ein Sitz frei wurde schälte sich einer der anderen Fahrgäste wenn es sein musste von einem Ende des Busses zum anderen um den Sitz zu besetzen. Das hieß dann meistens, dass nicht nur eine Person über deine Füsse trampelt, sondern auch die 3 Kinder der Person, die sich hinter ihr durchschlängelten. Man wurde also ständig von allen Seiten angerempelt während man verzweifelt versuchte sich irgendwo festzuhalten.
Am Strand angekommen mussten wir feststellen, dass der Strand zwar tatsächlich ein absolutes tropisches Paradies ist, aber an diesem Tag leider absolut unbrauchbar. Schwimmen war unmöglich, da die Wellen sehr stark und hoch waren und auch am das Liegen am Strand war nicht möglich, da das Wasser bis zum Rand der Bäume hinaufschwappte. Wir konnten unsere Sachen gerade noch retten, bevor unsere Liegen komplett uberspült wurden. Also wieder ab auf die Straße, Ausschau nach einer Art Sammelplatz halten. Ein Bus kam und wir sprangen auf. Es war wieder sehr voll und ich musste nun auch noch darauf aufpassen, dass ich nicht aus der offenen Tür geschleudert werde während der Bus in einem höllischen Tempo um Ecken bog, alle anderen Fahrzeuge überholte, Kühen auswich und versuchte zu langsame Verkehrsteilnehmer auszuschalten. Der Fahrer trug keine Schuhe während er das auseinanderfallende Vehikel steuerte. Aus reinem Interesse bei welchem Tempo ich aus der Tür fallen würde wagte ich einen Blick auf den Tacho, aber der funktionierte, Gott sei Dank, nicht. Wir sagten wir wollten in Unawatuna aussteigen, der Busfahrer hat uns aber leider nicht verstanden, obwohl ich in geschliffenem ;-) Singhalesich darum gebeten habe uns dort rauszulassen. Also mussten wir eine laaaaaaaaaange Strecke in brütender Hitze laufen. Aber in Unawatuna waren die Wellen auch nicht viel niedriger. Monsoonsaison eben, da weiß man nie ob man schwimmen kann oder nicht.
Es ist aber trotzdem noch sehr schön einfach am Rande des Strands zu sitzen und zu lesen...

Freitag, 15. April 2011


Der Tsunami

Wir Europäer haben den Tsunami, der 2004 Sri Lanka erschütterte schon komplett vergessen. Schlimmer als das, noch ein anderes Land musste diese Naturkatastrophe erleben.
Hier weiß jeder noch ganz genau wie es am 26.12.2004 war. Gerade heute, als ein Mann in den Nachrichten verkündete, dass morgen ein neuer Tsunami das Land heimsuchen würde konnte man wieder die Furcht in den Augen der Menschen sehen.
Auch meine Gastfamilie wurde schwer vom Tsunami gebeutelt. Mein Gastvater war bei der Arbeit in Saudi Arabien und meine Gastmutter war im Krankenhaus. Dineshi, ihr kleiner Bruder und ihr Freund waren alleine Zuhause als die Welle sich aufbäumte und alles unter sich begrub. Mein Gastbruder wäre fast ertrunken, wenn Indika nicht im letzten Moment seine Hand hätte greifen können. Indika selbst hielt sich am Rand des Daches fest. Nach der Katastrophe lebte die Familie einen Monat ohne Wasser und Strom im Tempel. Ihr Haus war voller Schlamm, alles Hab und Gut wurde fortgespült. Dineshis Schulunterlagen waren nicht auffindbar, deshalb konnte sie ihren Abschluss erst ein Jahr später machen. Dieses Haus ist das einzige der Straße, dessen Grundmauern der Wasserflut stand hielten. Nur die Fenster und Türen, so wie die Möbel mussten erneuert werden. Alle anderen Häuser waren komplett zerstört. Das Haus von Indikas Familie war dem Boden gleich. Indika und Dineshi sind jetzt seit 8 Jahren zusammen. Schon 2003 hatte Indika angefangen ein Haus für ihn und Dineshi zu bauen, 2005 wenn es fertig sein sollte, sollte auch ihre Hochzeit stattfinden.
Leider zerstörte der Tsunami auch diese Vorstellung. Indikas Familie zog in das Haus bis ihres wieder aufgebaut war. Da sich die Familie aber nur ein sehr kleines neues Haus leisten konnte musste Indikas Bruder das Haus behalten. Sobald er wieder an Geld kam hat Indika ein neues Haus angefangen, auf einem Grundstück, welches die Familie als Tsunamihilfe vom Staat bekommen hat.
Das neue Haus ist nun fast fertig und im Oktober können die beiden nun heiraten.
Indika ist ein wrklich guter Freund, die Hochzeit zwischen ihm und Dineshi wurde nicht arrangiert. Liebesheirat wird hier in Sri Lanka immer gewöhnlicher.
Eine Hochzeit ist extrem teuer für die Eltern der Braut. Sie müssen ihr eine Art „Mitgift“, wie z.B. ein Stück Land oder eine große Menge Geld geben. Deshalb war es üblich die Heirat zu arrangieren und einen reichen Ehemann für die Tochter auszusuchen, dessen Familie keine große Mitgift erwarten würde.
Mein Gastvater hat erzählt, dass er sehr lange sparen musste, bis die Hochzeit seiner ersten Tochter stattfinden konnte. Ihr hat er ein Land gekauft. Dineshi und Indika werden die ganze Einrichtung für ihr Haus bekommen.
Indika baut das Haus ganz alleine. Seit 2 Jahren arbeitet er jeden Tag nach der Arbeit ganz alleine dort auf der Baustelle. Er spart jeden Cent um Baumaterial kaufen zu können. Den ohne Haus keine Hochzeit.
Im Moment ist es so das Dineshi nichts anderes tut als hier im Haus zu sein. Die Frauen in Sri Lanka sind immer in Angst vor den Männern auf den Straßen, weil sie immer nur die schlechten Dinge mitbekommen.
 Dineshi hatte einen Job, aber der war so schlecht bezahlt, dass sie genauso gut auch Zuhause bleiben kann anstatt den ganzen Tag zu arbeiten. Außerdem hatte sie einen sehr gemeinen Chef, der sie mobbte und versuchte aus der Firma zu ekeln.
Sie hat keine Hobbys, außer Filme schauen. Das kommt nicht daher, dass sie an nichts anderem interessiert ist, sie hat nur einfach kein Geld um irgendwelchen Freizeitbeschäftigungen nachzugehen.
Als Dineshi heute hörte, dass ein neuer Tsunami kommen soll war sie völlig geschockt. Wenn sie vom Tag des Tsunamis erzählt zittert sie immer noch.
Es gibt jetzt ein Warnsystem, welches 2 Stunden vor einem neuen Tsunami ausschlägt. Alle die angemeldet sind bekommen dann eine Sms und überall ertönen Sirenen. Dann müssen die Menschen so schnell wie möglich ins Landesinnere und auf Höhen flüchten.
Für den angeblichen neuen Tsunami gab es heute auch gleich wieder Entwarnung. Forscher haben die Vorhersage überprüft und nicht verifiziert. Mich hat das Ganze schon sehr erschreckt, aber Michael sagt, dass es öfter solche Menschen gibt, die das behaupten nur um die Menschen hier in Panik zu versetzen. Aber naja, nahe lag das ja schon, nach all dem, was in Japan passiert ist. Gott sei Dank wurde es nicht bestätigt.

Das Buddhistische Neujahrsfest

Seit Tagen waren alle in heller Aufregung wegen des Buddhistischen Neujahrsfestes. Die Straßen waren komplett überfüllt und man musste an manchen Geschäften seit dem morgen anstehen um am Mittag eventuell etwas kaufen zu können.
Alle Buddhisten kaufen für Neujahr alles neu. Es gibt neue Kleider, neue Vorhänge, das Haus wird geputzt etc. Die Frauen verbringen den ganzen vorigen Tag damit ganz bestimmte Süßigkeiten zuzubereiten. Am Neujahrstag selbst müssen die Buddhisten strengen Regeln folgen. Sie dürfen von 6 Uhr morgens bis 1 Uhr mittags nichts Essen oder trinken und sie dürfen niemandem etwas geben oder etwas annehmen. Pushba, die Gastmutter, ist die einzige Buddhistin im Haus, aber ihre Kinder folgen ihr. Pushba durfte uns morgens nicht mal unseren Tee geben. Sie musste ihn erst abstellen und dann konnten wir ihn nehmen. Wir haben den Morgen am Strand verbracht und ich habe einen ziemlich unschönen schmerzenden Sonnenbrand bekommen. LSF 30 ist wohl bei dieser Sonnenstärke zu wenig. Breanna gibt mir jetzt fürs nächste Mal ihre 50er Sonnencreme…
Um 1 Uhr wird dann mitten im Wohnzimmer eine Art Feuerstelle errichtet. Dort wird dann die Milch für den traditionellen Milchreis gekocht. Alle sind ganz verrückt nach dem Milchreis, der sehr salzig ist und mir gar nicht geschmeckt hat ;-)
Um 3 Uhr gibt es dann eine Art Festmahl. Dieses wird mit einer Zeremonie eröffnet. Der Vater des Hauses zündet eine Öllampe an. Dann gibt er jedem Familienmitglied ein Stück des erkalteten Milchreises und jeder bekommt 50 Rupies ( 30Cent). Wenn man die Rupies erhalten hat geht man vor dem Vater auf die Knie und berührt seine Füße als Dank. Das machen hier alle Kinder als Zeichen des Respeltes vor ihren Eltern und ihren Großeltern. Generell wird das Wohl der Alten hier sehr groß geschrieben. Michaels Mutter lebt direkt neben uns, sie kommt ab und an vorbei und dann gibt es einen Schaukelstuhl an der Tür, der extra für sie reserviert ist. Sie ist sehr süß. 72 Jahre alt, immer am lächeln und brabbeln. Wenn man sie begrüßt freut sie sich riesig und erzählt immer etwas auf Singahlesich. Man muss dann einfach nicken und wenn man geht sagt man Ayubowan, dann ist sie überglücklich. Als Kadence am Neujahrsfest zurück nach Amerika gefolgen ist, hat Atschi (das ist nicht der Name der Großmutter, sondern das Singhalesiche Wort für Oma, Atschis richtiger Name ist zu schwer) sogar geweint.
Wenn also jeder sein Geld bekommen hat ist der Tisch eröffnet. Es gibt allerhand Süßigkeiten und Kuchen. Jeder will hier immer, dass man alles probiert und ganz viel nimmt. Leider war das meiste auf dem Tisch entweder reiner Zucker oder ganz scharf oder am schlimmsten beides vermischt. Dann muss man einfach lächeln, es mit Tee runterspülen und beteuern, dass es gut war, aber man nichts mehr essen kann. Nach dem Essen bei meiner Gastfamilie wollte Atschi noch, dass wir etwas bei ihr Essen. Also weiterlächeln, etwas unverfängliches, wie einen Marshmallow, nehmen und wiederholen wie viel man doch schon gegessen hat.
Es gibt am Neujahrstag noch viele andere festgelegte Riten, wie z.B. eine Waschung mit Öl und eine Zeit zu der man ganz viele Feuerwerkskörper anzündet. Die Jungs, besonders Matt aus den Usa, waren den ganzen Tag mit nichts anderem beschäftigt.
An Neujahr ist alles geschlossen und die Straßen sind wie leergefegt.
Zur Feier des neuen Jahres und als Zeichen seiner Dankbarkeit hat uns Michael Fahrer, der immer die Voluntäre abholt und damit seinen Lebensunterhalt finanziert, zu sich eingeladen.
Also wurden um 12 Uhr alle ins Auto geladen. Auf dem Weg zum Haus haben wir auch noch die anderen Voluntäre abgeholt, die ja wochentags im Kinderheim arbeiten. So ging es also mit 13 Personen, einem Fahrer und einem Baby im Kleinbus durch die verschlungenen Straßen von Galle. Wir fuhren zum Schluss eine sehr steile Straße hoch, die gerade so breit war wie der Bus und da waren wir. Alle raus aus dem Bus, alle Schuhe aus. Im Haus wartete schon die ganze Familie des Fahrers, einschließlich aller seiner Neffen und Nichten. Man reichte Bier (das hier für die normale Bevölkerung fast unerschwinglich ist) und Saft. Dann wurde ein riesiges Buffet mit allen möglichen Speisen aufgebaut. Das Essen war unglaublich scharf. Ich habe zuerst die anderen probieren lassen und dann die weniger „gefährlichen“ Sachen, wie puren Reis und Gemüse genommen. Hier in Sri Lanka ist der Gast immer der Erste. Niemand ist etwas bevor nicht jeder Gast genug hatte. Selbst wenn man hundert mal betont, dass sie sich doch bedienen sollen, wird kein Sri Lanker das Essen anrühren, bevor man seinen Teller nicht abgestellt und beteuert hat, dass man völlig satt ist.
Zum Nachtisch gab es Schokoladeneis und flüssigen Wackelpudding. Als der Gastgeber in einem Gespräch aufschnappte, dass jemand gerne Vanilleeis mag wurde sofort jemand geschickt um welches zu kaufen.
Der Fahrer selbst hat 3 Töchter. Diese waren unglaublich süß. Als ich sie auf Singahlesich fragte, wie sie heißen waren sie ganz verblüfft und antworteten ganz schüchtern. Die beiden älteren haben dann versucht der kleinsten beizubringen, wie sie auf Englisch antworten kann, aber sie hat sich nicht getraut. Als sie meinen Namen hörten haben die Kinder sich kaputt gelacht. Ronja haben sie natürlich noch nie gehört und aussprechen kann den Namen hier auch niemand. Im Kinderheim werde ich den Kinder einfach sagen ich heiße Cathi, die Kurzform meines Zweitnamens Cathrina, weil sie meinen Namen wohl auch nicht werden aussprechen können.
Die Kinder waren ganz angetan von uns. Die Mädchen haben mich die ganze Zeit angestarrt und gesagt wie schön meine Augen seien. Als Wilma ihre Kamera ausgepackt hat waren die Kinder völlig aus dem Häuschen. Sie konnten einfach nicht verstehen, wie sie in den Apparat kommen und alle 10 versuchten immer aufs Bild zu kommen. Als Wilma ihnen dann ein Video gezeigt hat waren sie wie gebannt vor dem Bildschirm. Die Mädels haben uns alle ihre Namen aufschreiben lassen und unsere Telefonnnummern. Ich weiß nicht ob sie uns anrufen wollen oder so, vielleicht ist es nur eine Art Erinnerung.
Die Familie lebt in sehr ärmlichen Verhältnissen. Das Haus war fern des Stadtzentrums, sehr klein und sehr spärlich eingerichtet. Michael hat jedem der Kinder etwas Geld gegeben, dass hat sie völlig umgehauen.
Zum Abschied haben alle gewunken wie die Weltmeister, ich glaube „so etwas“ wie uns sehen sie nicht allzu oft.
Heute Nachmittag waren wir dann am „Dutch fort“. Eine der sieben größten Sehenswürdigkeiten Sri Lankas. Eine alte Festungsanlage, direkt am Meer, die die Holländer zum Schutz vor Feinden errichteten. Früher lag die ganze Stadt Galle innerhalb des Forts. Heute erstreckt sie sich über viele viele Quadratkilometer um das Fort herum. Man kann einmal um das ort herumlaufen, dass einen sehr schönen Blick auf die Stadt und das Meer ermöglicht. Innerhalb gibt es einen alten Leuchtturm, viele kleine Geschäfte und das Gericht.
Man findet sehr viele riesige alte Bäume, die sich nur vom Regenwasser am Leben halten. Viele von ihnen sind schon 200 Jahre alt. Zur Feier des Neujahrsfest haben viele Einheimische im Wasser rund um die Mauern des Forts gebadet. Ein witziges Spektakel, da die Singhalesen auf Grund ihrer Religion immer völlig bekleidet ins Wasser steigen. Dann kommen sie raus und ihre Kleider sind komplett durchnässt und somit ziemlich durchsichtig, sodass man ihre Unterwäsche doch sieht ;-) Heute Abend gab es wieder ein großes Gewitter und massig Regen. Wenn es regnet, regnet es sehr heftig aber nicht allzu lange. Wir Volontäre saßen nach dem Essen noch am Tisch und haben einfach gequatscht. Es ist einfach unglaublich was die anderen so erlebt haben und was sie tun. Wilma, die amerikanische Rentnerin, die in Haiti war, schreibt ständig Firmen an und bittet um Sachspenden. Sie hat so viel zu erzählen und hat einfach eine unglaubliche Einstellung. Jenni aus England war die letzen 6 Monate in Indien und ist jetzt hier bei uns. Ihre Mutter kommt nächste Woche und hat 700 Pfund Spenden gesammelt. Jenni ist so aufgeregt, weil sie ganz genau geplant hat, was sie den Kindern kaufen will und was sie in der Schule hier verändern will. Sie erzählt so lebhaft von den Kindern, man merkt richtig wie viel Spaß es ihr macht.
Heute Abend gab es Spaghetti mit Ei, ohne Curry, ohne irgendein scharfes Gewürz. Natürlich gab es auch höllisch scharfe Currysauce dazu, aber es ist so süß, dass Pushba so etwas zu Essen macht. Jetzt am Anfang vermisst man noch viele Sachen wie Käse ( nein, so etwas gibt es hier nicht mal ansatzweise) oder Brötchen ohne Chillifüllung, Saft der kein Papayasaft ist, Wasser mit Kohlensäure, warmes Wasser wenn man das Fenster im Bad nicht schließen kann während draußen ein Gewitter tobt, Anschnallgurte in diesem verrückten Verkehr, Fenster die die Kleintiere und die Hitze abhalten und Glätteisen ( die bei der Luftfeuchtigkeit ohnehin nutzlos sind)…Aber mittlerweile merkt man wie man sich an alles gewöhnt, was einem zuvor so unglaublich anders erschien. Wenn man mit dem TukTuk durch Galle fährt ist es witzig zu beobachten wie ab und an zwei Weiße in einem anderen TukTuk um ihr Leben bangen. Wenn sie einen dann gequält anlächeln versuche ich immer ein aufmunterntes „Seht wir haben das auch überlebt“- Lächeln bereitzuhalten.
So das wars für heute, genug Lesestoff für alle Daheimgebliebenen....