Donnerstag, 28. April 2011

Ein Mal durch ganz Sri Lanka in vier Tagen


5.30 Uhr in Galle: Ich breche zusammen mit meinem Gastvater auf um in vier Tagen alle großen Sehenswürdigkeiten Sri Lankas zu erkunden. Es regnet in Strömen, unglaublich heiß ist es aber natürlich trotzdem.
Nun muss man wissen, wenn man in Sri Lanka in einen Van einsteigt, dann fährt man mindestens sechs Stunden ohne ein Mal anzuhalten. Der Singhalese geht anscheinend nie zur Toilette und alle zwei Stunden Pause machen ist anscheinend auch nur was für uns Europäer.
Also polterten wir vier Stunden ohne Unterbrechung im strömenden Regen die „Straße“ in Richtung Pinnuwala herauf um zwei Freiwillige abzuholen, die dort im Elefantenwaisenhaus arbeiten.
Wir hielten nur an, weil ich nach vier Stunden einfach nicht mehr anhalten konnte und bettelte, ob wir doch bitte mal irgendwo alt machen könnten.
Wenn man aber dann die Tür der sri lankischen öffentlichen Toiletten aufmacht überlegt man doch ein zweites Mal ob man wirklich zur Toilette muss.
Die Löcher im Boden, ohne Spülung, sind dann doch etwas ungewohnt ;-)
In Pinnuwala angekommen luden wir nur schnell Amanda und Sisal ein und weiter ging die Fahrt Richtung Sigirya.
Sigirya ist ein riesiger Fels, hab vergessen wie hoch, auf dem und  auch rundherum ein König damals ein Königreich mit etlichen Gebäuden und Tempeln errichtet hat. Besonders sehenswert sind die originalen Bemalungen der Höhlen im Fels. Die Bemalungen zeigen die 500 Frauen im Harem des Königs.
Der Aufstieg war für mich nicht so einfach. Nicht weil, wie unser guide meinte ich nicht so fit sei, sondern die 3200 klitzekleinen nassen Stufen, die auf den Felsen heraufführen, an der Außenseite befestigt sind und man genau sieht wie weit man sich vom Grund entfernt..
Letztendlich habe ich es aber geschafft und konnte einen atemberaubenden Blick auf die immergrüne Landschaft des Landesinneren werfen.
Der König hat tatsächlich ganz oben auf diesem Fels ein ganzes Königreich gebaut, von dem zwar jetzt nur noch Ruinen da sind, welches aber wunderschön und majestätisch gewesen sein muss. Es gab dort oben sogar mehrere Pools für seine Haremsdamen.
Im Hotel angekommen machten wir im Bad Bekanntschaft mit kleinen Babyfröschen, dicken fetten Käfern und natürlich haufenweise Moskitos, aber an die hat man sich ja mittlerweile gewöhnt.
Am nächsten Tag besuchten wir dann Anuandhapura, die erste Hauptstadt Sri Lankas und Heimat des ältesten Tempels Sri Lankas. Am Tag zuvor hatte es ja so stark geregnet und so bahnten wir uns mit dem Van unseren Weg über überflutete Pfade.
Ich glaube ich war noch nie irgendwo wo es so heiß war wie in Sigirya. Die Sonne brannte vom Himmel und kein Lüftchen ging.
Wir besuchten nicht nur den ältesten Tempel Sri Lankas sondern auch den Platz des heiligen Baumes, der 2400 Jahre alt sein soll, die größte Dagoba der Welt, den ersten Tempel des Zahnes und einige weitere Sachen die unser unglaublich nerviger Guide (der nachdem er wusste, dass ich Deutsche bin, jeden Begriff in grauselig schlechtes Deutsch übersetzte, und einfach nicht damit aufhörte, obwohl ich hundert mal beteuert habe, dass ich alles verstehe).
Buddhisten aus ganz Sri Lanka pilgern nach Anuandhapura um beim heiligen Baum ihre Wünsche vorzubringen und im Tempel zu beten. Man sieht sehr viele Mönche und Nonnen in ihren orangenen Gewändern, die Buddha Milchreis und Lotusblumen bringen.
Nach einem langen Tag sind wir dann abends wieder in unser Hotel zurück und wiederum am nächsten Morgen früh aufgebrochen um die Tempelanlage in Dambulla zu besichtigen. Diese besteht aus fünf Höhlen, die als Tempel angelegt sind. Es gibt viele wunderschön verzierte Buddhastatuen. Jeweils eine sehr große, die liegt und hunderte die aufrecht stehen.
Die Wände sind mit wunderschönen Malereien verziert. Alles in Allem ist der Buddhismus eine wirklich große Sache.
Die Nachwirkungen des Buddhistischen Neujahrsfestes sind immer noch zu spüren, an jeder Ecke gibt es Tempel, die buddhistische Flagge ist omnipräsent.
Deshalb sind auch die meisten Sehenswürdigkeiten Sri Lankas einfach Tempelanlagen oder heilige buddhistische Orte, die aber alle extrem schön sind und eine ganz ruhige, kontemplative (la3 vor ;-) Ausstrahlung haben.
Den vierten Tag haben wir fast komplett im Van verbracht. Im Affenzahn sind wir die Serpentinen des sri lankischen Hochlands hochgerast. Es ging höher und höher und höher, mittendrin gingen sogar meine Ohren zu. Wir fuhren durch die ganzen Teeplantagen, die das Hochland bedecken. Hunderte Frauen krabbeln in den Teeplantagen umher, bepackt mit riesigen Säcken, in denen sie die Teeblätter sammeln. Ab und zu fährt ein LKW vorbei, der in einer Art Metallkäfig die Arbeiter von einem Feld zum anderen fährt. Je höher man kommt umso mehr Blumen sieht man. Alle paar Meter springt ein Blumenverkäufer auf die Straße und möchte den Insassen der Touristenvans Sträuße andrehen. Die Vanfahrer sind das mittlerweile schon so gewöhnt, dass sie noch nicht mal abbremsen.
Am letzten Tag waren wir auch in Nuwara Eliya, auch little London, genannt. Diese ehemalige Kolonialstadt der Engländer ist die einzige Stadt in Sri Lanka, in der es jeden Tag kalt (also im Sinne von 18-20°C) ist.
Dementsprechend zog unser Fahrer auch gleich eine dicke Wollmütze an.
Die Singhalesen in Nuwara Eliya trugen alle dicke Fleecjacken, Winterstiefel, die Kinder waren eingepackt in Schals und Wollmützen.
Nuwara Eliya ist auch der einzige Ort in Sri Lanka an dem Erdbeeren gedeihen.
Deshalb ist dort alles voll mit Erdbeerwerbung, jedes Restaurant hat ein Schild mit seinen Erdbeerangeboten draußen. Dann machten wir uns auf den Heimweg. 3 Stunden bis nach Pinnuwala und dann noch mal 6 Stunden durch die stockdustere Nacht über die Ruckelpiste nach Galle. Autofahren ist in Sri Lanka nachts einfach noch viel bedrohlicher, bzw. sieht zumindest so aus. Wenn einem auf der eigenen Spur 5 Lichter entgegenkommen ist das doch sehr gruselig….
Ich hab also erst mal genug vom Autofahren und das nächste Wochenende wird komplett am Strand verbracht.


Freitag, 22. April 2011


Donnerstag, 21. April 2011

Heute morgen waren die Kleinen realtiv ruhig. Natürlich das übliche Weinen, Wickeln, Füttern usw. Eines der ganz kleinen Babys, welches gerade 6 Wochen alt ist, ist sehr krank. Es kann einfach nicht atmen, weil seine Lunge so verschleimt ist. Dann liegt es da in seinem Bettchen schnappt verzweifelt nach Luft, hat schon gar keine Tränen zum weinen mehr übrig, und der Schleim läuft aus der Nase…Da ich nicht weiß, wie ich die Lunge frei bekommen kann habe ich ihren Rücken etwas höher gebettet, sodass sie nicht ganz flach liegt. Aber die Frauen im Heim wollen nicht, dass die Kleinen Kissen zum Schlafen haben, also nehmen sie es weg. Dann liegt der Winzling wieder da, schaut dich mit großen Augen an und man weiß nicht was man machen soll. Auch die hundertste Aufforderung doch mit dem Baby ins Krankenhaus zu gehen wird einfach ignoriert oder mit „no, no doctor!“ abgetan. Dann nehmen sie die einzige Pipette die sie haben, füllen sie mit irgendeinem Grippemittel, dass hier gegen alles hilft ;-) und tropfen es der Kleinen in die Nase. Als ob das das Problem lösen würde…
Ich rege mich jeden Tag darüber auf wie unterschiedlich doch die Leben zweier Kinder sein können. Während es von den meisten westlichen Babys mindestens 2 Fotoalben und einen Karton von Kindheitserinnerungen gibt, werden die meisten Babys im Heim nicht mal beim Namen gerufen.
Die meisten Kinder in Deutschland haben einen Schnuller, Kuscheltiere, Windeln, ein Kissen und eine Decke, eine Menge Kleider und Schuhe, ihre eigene Flasche und einen Hochstuhl.
Hier natürlich alles Fehlanzeige. Angezogen wird das, was gerade nicht dreckig ist, egal ob es passt oder nicht, egal ob Mädchen oder Junge. Alle Kinder im Heim haben geschorene Köpfe und sind stets barfuß, auch wenn die etwas älteren draußen sind, tragen sie keine Schuhe. Fragt man unsere Eltern wann wir das erste Mal unseren Kopf hoch hielten, krabbelten oder gar liefen, wissen sie das mit ziemlicher Sicherheit ganz genau. Im Heim kann keiner sagen, wann das Baby zum ersten Mal aufstand oder seit wann der Kleine „Byebye“ sagt wenn die Freiwilligen nach Hause gehen.
Die meisten Dinge lernen die Kinder weil sie es müssen. Sie müssen ihre Flasche schnell selbst halten, weil es sonst nichts zu Essen gibt, sie müssen schnell laufen lernen, damit sie nicht von den anderen im Laufstall überrannt werden, während sie herumkrabbeln, sie müssen schnell lernen sich selbst zu beruhigen und den Brei dann zu essen wenn sie ihn bekommen und nicht wenn sie Hunger haben. Füttern ist im Allgemeinen das Schwierigste. Gefüttert wird dann wenn man das Kind einfach nicht ruhig bekommt. Das führt dazu das ganz Stille Kinder eben dünner sind und andere, die einfach immer weinen mit kaum einem Jahr Rekordgewichte auf die Waage bringen. Eines der Babys, ein Mädchen, wiegt mindestens 6kg. Sie weint einfach den ganzen Tag. Ich nehme sie so oft wie möglich raus und lasse sie rumkrabbeln anstatt einfach noch mehr Brei in sie reinzustopfen, damit sie wenigstens für ein paar Minuten ruhig ist. Das meiste Essen landet ohnehin immer auf uns Freiwilligen. Es gibt keine Hochstühle, also wird auf dem Schoß gefüttert. Das führt dann dazu, dass Kinder die sich gegen den immergleichen Matsch aus gekochtem Gemüse wehren den ganzen Pamp auf einem verteilen und meistens neu eingekleidet werden müssen.
Wenn man da sitzt, ein kleines Würmchen auf dem Arm und versucht diesen mit ein paar Songs (ich dachte immer der „We Kittens like to walk along down the street“-Song würde mir nie zum Hals raus hängen, aber das tut er mittlerweile ;-) denkt man viel darüber nach was aus diesen Kindern werden soll.
Diejenigen, die einigermaßen clever sind und sich gut durchboxen könne, werden es eventuell nach 18 Jahren im Heim schaffen ihren eigenen Weg zu gehen. Aber was ist mit denen, die nicht so clever, der etwas schwach sind? Der kleine Benjamin z.B. hat Koordinationsschwierigkeiten. Er hält seine Arme immer angewinkelt und obwohl er schon fast ein Jahr alt ist, zieht er beim Krabbeln seine Beine noch hinterher, weil er sie nicht kontrollieren kann. Er ist klein und zerbrechlich. Für ihn besteht keine Chance. Ich will nicht wissen wo er mal landet.
Wir Freiwilligen scherzen immer darüber, wen wir mit nach Hause nehmen wollen.
Wilma ist ganz vernarrt in die kleine Malki, die gerade anfängt zu laufen. Sie will ihr gerne Schuhe kaufen. Die wären natürlich auch notwendig, wenn man so ein Kind im Flugzeug mit nach Hause nimmt. Vera, die Österreicherin, mit der ich jetzt mein Zimmer teile, hat eine kleine Kindertasche mitgebracht, die könnte ihr Handgepäck sein ;-)

Krabbeltiere
Hier in Sri Lanka muss man auf Alles gefasst sein. Es gibt alle möglichen kleinen Krabbeltiere und Reptilien. Von roten beißenden Ameisen, über Skorpione, zu Schlangen, Geckos, grünen Echsen, Kakerlaken usw.
Man darf nicht zu sehr erschrecken, wenn eine Kakerlake das Moskitonetz hochkrabbelt, eine Echse über den Spielplatz des Kinderheims krabbelt (diese war eine kleine Version dieses Killertieres, das seine Kinder frisst, das wir im Senkenbergmuseum gesehen haben, in grün), in Klassenzimmer Ameisenhügel entstehen und kleine schwarze Viecher einen beißen und schreckliches Kribbeln an der Bissstelle hinterlassen.
Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt morgens ein paar Kakerlaken im Badezimmer zu begegnen und jeden Sitzplatz erst auf die Anwesenheit von roten Ameisen zu überprüfen.
Woran man sich wohl nie gewöhnt sind die Spinnen, die oft einfach so von der Decke fallen. Als ich gestern Benjamin fütterte, viel ein riesiges Exemplar von der Decke auf Benjamins Arm und krabbelte dann auf meinen Arm. Ich schüttelte die Spinne ab und diese krabbelte dann am Boden. Eine der Mitarbeiterinnen pickte das Riesending dann auf und zeigte sie dann tatsächlich einem kleinen Baby. Die Singhalesen sind so was einfach gewohnt. Ihr wundert es keinen wenn beim Abendessen eine Kakerlake vorbeifliegt...

Freitag, 22. April 2011
Jennifers Eltern haben eine Zeit lang nur Daal und Reis gegessen und sich dafür sponsorn lassen. Sie haben im Endeffekt knapp 800 Pfund gesammelt, die Jennifer nun in Projekte hier in Sri Lanka investieren kann. Einer ihrer größten Wünsche war es einen Teil des völlig zerfallenden Schulgebäudes zu renovieren, in dem sie morgens unterrichtet.
Da diese Woche Ferien sind, hat der Direktor ihr erlaubt ein kleines verrottendes Gebäuder mit vier Klassensälen zu renovieren. Er wollte natürlich die Farben aussuchen. Eigentlich wollte Jennifer nur die Innenseite renovieren, aber wenn der Singhalese mal etwas Besserung und Geld in Aussicht hat, dann greift er zu. Also bestimmte er, dass auch die Außenseite gemacht werden muss.
Wir sind dann los und haben die Farben, die er geordert hat, sowie Pinsel usw. gekauft. Am ersten Tag haben Jennifer und Wilma, mit Hilfe von zwei Einheimischen Handwerkern, die „Fenster“ (ohne Glas, eine Art Gitter) vom Rost befreit, die Tische und Stühle geschrubbt  und die Löcher in der Wand zugespachtelt. Am zweiten Tag ging es dann an das Streichen der Außenseiten, das Reinigen der Waschbecken, das Reparieren der völlig klapprigen Holzstühle und Tische, die jeweils ein rostiges Untergestellt haben und einen Teil der Innenwände. Als ich Mittags dazu kam habe ich allen Stühlen einen zweiten Anstrich verpasst, bzw. die Kanten, die Dineshi und Lahiro so großzügig ausgelassen hatten, gestrichen.
Heute haben wir dann alle Tische gestrichen, die Rückseiten und Gestelle der Stühle angemalt, die Sitzbänke gewaschen, geschliffen und angestrichen, den Außenbereich von Müll und Dreck befreit, die Gehplatten ordentlich gesetzt, die neuen Buddhas aufgestellt, die Tafeln mit klebriger Tafelfarbe gestrichen und alle Tische und Stühle wieder an ihren Platz gerückt.
Der Unterschied ist unglaublich. Zuvor waren die Klassenräume dreckig, völlig heruntergekommen, der Putz viel von den Wänden, die Tische waren so dreckig, dass man den Schwamm schon nach ein paar Quadratzentimetern auswaschen musste und ein riesiges Ameisennest bedeckte den Boden in einem Klassensaal.
Generell ist das Gebäude absolut suboptimal. Es ist eine Art großer Pavillion mit Trennwänden, die etwa bis zur Brust reichen, die vier Klassenräume abteilen sollen. Die Ziegel sind an vielen Stellen abgebrochen, es regnet herein. Wenn es in einer Klasse laut ist, ist es automatisch in allen Räumen laut. Die Metallgestelle schrabben über den blanken Beton, der den Fußboden darstellen soll. Es gibt weder Elektrizität, noch Wasser. Wasser gab es mal, aber da funktioniert nicht mehr, abgesehen davon waren die Waschbecken so voll mit Müll und Kleingetiers, dass ohnehin niemand seine Hände hätte waschen können.
Die Schule würde auch jetzt nach der Renovierung in Deutschland allein aus Sicherheitsgründen geschlossen werden. Aber für sri lankische und vor allem für die farbenliebenden Buddhisten ist sie nun wunderbar.
Sicher füllt eine renovierte Schule nicht die Mägen der armen Schulkinder, aber es macht ihnen eine Freude. Die Renovierung ist etwas, von dem alle profitieren. Es ist etwas, was nur für sie gemacht wurde, was man ihnen nicht wegnehmen oder vorenthalten kann. Leider bin ich am Montag zur Einweihung nicht da, aber ich bin mir sicher, dass die Kinder es lieben werden. Der Unterschied zu nachher ist unglaublich. Allein die neue Außenansicht ist ein himmelweiter Unterschied zu vorher.
Die beiden Handwerker, die gespachtelt und gemalt haben, hatten nun für 4 Tage von morgens 8 bis mittags 5 durchgearbeitet, nur für den von uns mitgebrachten Lunch haben sie kurz Pause gemacht. Dafür haben sie 40000 Rupies, etwa 35 Euro bekommen. Davon können sie hier so etwa 3 Monate leben. Für uns ein Hungerlohn, für die beiden der Auftrag ihres Lebens.
Heute kam noch irgendein Junge vorbei, der gesehen hatte, dass wir dort arbeiten. Er hat ohne Aufforderung den ganzen zusammengekehrten Müll vor dem Gebäude in Säcke verpackt und die Ränder der Tafeln gestrichen. Die 300 Rupies, die er bekommen hat, waren das Taschengeld seines Lebens.

Ich bin jetzt erst mal für vier Tage auf einem Trip zu allen wichtigen Sehenswürdigkeiten Sri Lankas. Wir fahren ins Elefantenwaisenhaus, nach Sirghariya, Kandy und Amadhapura.

Dienstag, 19. April 2011

Dienstag, 19.4.2011

Heute bin ich mit den anderen Freiwilligen, die hier wohnen in ihr Kinderheim gefahren. Dieses ist in viele verschiedene Bereiche gegliedert. Es gibt einen Raum mit Neugeborenen, 5 klitzekleine Babys leben dort. Dann gibt es die normalen Babys, etwa 20, die noch nicht krabbeln können und dann noch 11 kleine Krabbler und Renner, die wohl so 1 oder 2 Jahre alt sind. Es gibt ein paar Mitarbeiterinnen, aber die sind sehr beschäftigt damit Milch warm zu machen, zu putzen und die Kranken zu pflegen. Die Kinder die hier leben sind entweder Vollwaisen, wurden abgegeben (meistens weil die Eltern zu arm sind) oder wurden den Eltern vom Staat weggenommen.
Das heißt man hat als Freiwilliger sehr viel zu tun. Die Babys schreien, müssen gewickelt werden und natürlich auch gefüttert. Normalerweise legen die Mitarbeiterinnen die Flaschen einfach auf ein Kissen neben das Baby und dann muss die Milch irgendwie ihren Weg in den Mund hinein finden. Da es extrem war ist klebt die Milch, die an den Kleinen runter läuft fürchterlich und pappt an ihnen fest. Die Babys weinen viel, sie sind einsam, brauchen jemanden, der sie hält. Wenn man sie hoch nimmt hören sie sofort auf zu schreien, lehnen ihren Kopf an dich und lachen. Manche sind etwas moppelig, weil sie schnell gelernt haben wie man die Flasche hält und wahrscheinlich oft der Überblick verloren geht, wer schon gegessen hat und wer nicht. Es ist erschreckend wie 4 Monate alte Babys in ihrem Bett liegen und notgedrungen ihre Flasche selbst halten.
Andere sind relativ klein und mager für ihr Alter. Alle haben Schnupfnasen, wenn man sie hoch nimmt spürt man wie es in ihren Lungen rasselt. Verzweifelt versuchen sie den Schleim loszuwerden, der ihre Atmung blockiert. Ein winziges Neugeborenes, vielleicht vier Wochen alt, hat sich in seinem Bett nur vom Husten hin und her bewegt.
Die Krabbler und Renner sind anstrengend. Sie haben eine Art Gehege, in dem sie ohne jegliches Spielzeug ihre Zeit fristen. Wenn man dieses betritt stürzen sie sich auf dich, verzweifelt nach Aufmerksamkeit suchend. Sie krabbeln auf einem rum, kabbeln sich und manche brabbeln sogar schon etwas. Auch hier schreit ständig einer und noch viel öfter hat einer eine volle Windel. Windeln gibt es nur, wenn die Freiwilligen welche mitbringen. Ansonsten werden Leintücher verwendet, entsprechend sehen morgens die Betten aus. Die Freiwilligen können ihre Pampers aber nicht dort lassen. Die Mitarbeiterinnen sind so arm, dass sie selbst sich keine Pampers leisten können und welche für ihre eigenen Kinder einstecken. Auch wenn Spielzeug gespendet wird verschwindet dieses auf mysteriöse Weise. Rein baulich ist das Kinderheim in einem relativ guten Zustand. Die Betten der Kinder sehen stabil aus. Im Krabblergehege kommt jedoch die Farbe von den Wänden, da die Kleinen aus Langeweile angefangen haben diese aufzukratzen. Die Kleinen sind sehr clever, viele können sich richtig gut an den Stäben hochziehen und beinächst über das Gitter krabbeln.
Die Kinder sind einfach alle unglaublich süß, knautschgesichtig mit riesigen Augen und winzigen Fingern. Wenn man an ihrem Bett vorbeigeht starren sie einen an und recken ihre Köpfe. Manche strecken die Arme aus, in froher Erwartung hochgenommen zu werden.
Einmal am Tag werden alle gebadet. Das heißt, alle ausziehen, alle in die Wanne, alle abtrocknen, alle wickeln und anziehen. Mein Gastvater bringt unser Mittagsessen vorbei, sodass wir nicht extra alle nach Hause kommen müssen. Als wir draußen saßen und unser Mittagessen aßen, kam eine der Mütter, die zwei Kinder im Heim hat ,vorbei. Sie brachten eins der Kinder nach draußen, sie hatte es 5 Minuten auf dem Arm und ging dann wieder. Ihr zweites Kind (6 Monate alt), welches ich zuvor gefüttert hatte, schien sie nicht zu interessieren. Als sie ging lächelte sie, keine Träne, nichts. Als sie kurz darauf wieder die Einfahrt hochkam dachten wir, sie wolle auch noch ihr zweites Kind sehen, aber weit gefehlt, sie hatte nur ihren Schirm vergessen. Wie kann man so etwas tun ? Kommen, das Kind 5 Minuten halten und wieder gehen. Ihr kleiner Sohn konnte nicht verstehen, dass er da bleiben musste, wie auch? Da saß er dann in seinem Gitterbett und war wieder allein. Die Frau sah nicht mal arm aus, hatte Schuhe, einen schicken Rock…Natürlich kann man so als Außenstehender gut sagen, dass man so etwas nicht tun sollte, bzw. ihr Verhalten verurteilen. In Wirklichkeit weiß man aber nicht, in welchen Umständen die Frau lebt usw. Manche Eltern die kommen sehen bettelarm aus. Sie tragen zerrupfte Kleider, keine Schuhe. Ich weiß nicht was besser ist: Besuchen oder nicht. Die Kleinen sind einfach so schwer zu beruhigen, wenn die Eltern gehen. Es bricht ihnen jedes Mal neu das Herz, aber wenigstens hat ihnen jemand für eine Zeit lang Aufmerksamkeit geschenkt.
Als ich heute mit dem kleinen schreienden Neugeborenen, das für jeden Atemzug seiner verschleimten Lunge all seine Kraft zusammennehmen musste umherlief um es zu beruhigen wurde ich wirklich wütend. Wütend auf die Menschen, die dieses kleine Wesen in die Welt gesetzt und dann einfach weggegeben haben, wütend auf die Menschen, die alles haben und noch nicht genug bekommen können. Man darf leider keine Bilder im Kinderheim machen. Ich hab schnell mit dem Handy ein Foto von meiner kleinen Lieblingsmaus gemacht, aber das kann ich leider nicht auf mein Laptop laden…

Montag, 18.4.2011

Heute war mein erster Tag auf der Arbeit. Eigentlich unterrichte ich morgens in der Schule und arbeite mittags im Kinderheim mit den behinderten Kindern.
Da aber wegen Neujahr Ferien sind machen alle Urlaub. Die Waisenkinder und die behinderten Kinder, die sonst im Heim leben wurden für die Ferien nach Hause geschickt oder sind sonst wo. Keiner weiß so wirklich wo die Kinder sind. Noch nicht mal der Chef war da. Nur so eine Art Vertretung, der kaum Englisch sprach. Dieser Mann war der einzige Mitarbeiter den man im ganzen Heim finden konnte. Er hat mich dann rumgeführt und Michael hat mir erklärt wo alles ist. Das Heim beherbergt aber ständig auch eine Gruppe von etwa 40 behinderten Erwachsenen. Diese waren heute da. Viele lagen in ihren Betten, manche liefen herum. Die Erwachsenen sind sehr stark beeinträchtigt. Die meisten sind nicht nur körperlich behindert sondern auch geistig. Einige scheinen Down-Syndrom zu haben, andere brabbeln die ganz Zeit vor sich hin und wieder andere rennen einem hinterher und wollen einem ständig die Hand schütteln. Die meisten sitzen im Rollstuhl, können nur schwer laufen, haben verkrümmte Rücken oder haben diverse Fehlstellungen, wie z.B. eine kaputte Hand. Das Heim ist in einem miserablen Zustand. Es wurde vom Tsunami damals komplett dahingerafft und das was bis jetzt wieder aufgebaut ist sieht schlimm aus. Kaputte Wände, klapprige Möbel, von der sanitären Anlage gar nicht zu sprechen. In den Schlafräumen findet man zusammengewürfelte improvisierte Pritschen mit einer Art Kleiderständer davor. Das Bett und die 2 bis 3 Kleidungsstücke davor ist alles, was die Menschen besitzen. Die Kleider, die sie tragen sind völlig löchrig, zu groß oder zu klein und stehen vor Dreck. In den Schlafräumen stinkt es stark nach Urin, ganze Schwärme von Fliegen kreisen über den Betten. Die meisten der Menschen dort können nicht zur Toilette und tragen Pampers. Ich weiß nicht ob über die Feiertage jemand da war um die Pampers zu wechseln, es roch nicht so. Die, die einigermaßen laufen können fahren die Rollstühle mit den verkümmerten kleinen Gestalten in ihnen herum. Es viel mir extrem schwer nicht zu weinen. Diese Menschen haben einfach nichts. Für sie ist in dieser Gesellschaft nicht mal am Rande Platz. Das Heim, welches komplett privat finanziert ist, ist der einzige Ort an dem sie sein können. Dort sitzen sie nun und fristen ihr Leben. Es gibt, wenn nicht gerade Feiertage sind, sehr vieles dort. Webstühle, Sticksachen, Physiotherapie und auch eine Art Doktor. Ich wollte eine Cd abspielen um mit den Leuten zu tanzen oder zu singen. Ging nicht, kein Geld für die Stromrechnung. Es macht mich so wütend wie diese Menschen leben müssen. Während in Deutschland so mancher an einem Abend 50€ in der Disko verbrasst könnte man hier jedem Bewohner des Heims wenigstens mal ein T-Shirt kaufen. Jeden Morgen waschen die Bewohner, die es können, die T-Shirts, damit sie für den Tag nächsten Tag was zum Anziehen haben. Obwohl 2 T-Shirts und ein paar Shorts das einzige sind, was diese Menschen materiell besitzen sind sie ganz glücklich: sie lächeln, kabbeln sich und freuen sich, wenn man bei ihnen ist. Doch wenn man der einzige Mensch in einer Scharr von behinderten Erwachsenen ist, die nicht deine Sprache sprechen, nicht wissen wer du bist und alle seit Freitag die selbe Pampers tragen ist das nicht witzig oder einfach nur anstrengend sondern einfach nicht machbar. Ich saß da ohne jede Ahnung was ich tun sollte. Zwei Tische, meine Blockflöte und ein Stapel Malbücher waren alles, was ich hatte um die Menschen um mich herum zu beschäftigen. Diese kamen, setzten sich, malten zwei Striche und fingen dann alle and auf mich einzureden, mir ihre Bilder ins Gesicht zu halten. Man verstand kein Wort. Nicht nur weil es Singhalesich sein sollte...Manche wollten das ich etwas male und wenn ich dann das gemalt hatte worauf sie zeigten, waren sie noch nicht zufrieden, sondern wollten anscheinend irgendwas anderes, von dem ich nicht herausfinden konnte was es war. Ein jüngerer Bewohner sagte ungefähr 100x malu, was Fisch heißt, aber keiner der Fische, die ich für ihn gemalt habe gefiel ihm. Ein Mann hatte eine Fernbedienung, die er als „Telefon“ benutzte, ein anderer eine Trommel um seinen Hals, auf die er einschlug. Beim Malen ließ sich ein Mann mit Down-Syndrom auf den Boden fallen, malte dort weiter und weinte. Er war aber so schwer, dass ich ihn nicht wieder aufheben konnte. Ich saß da wie erstarrt, völlig überfordert. Einer der Bewohner lief durch das Tor, welches ich nicht schließen konnte, auf die Straße, der „Manager“ holte ihn zurück. Ein paar der Maler liefen ganz aufgebracht in den Schlafsaal und kamen nicht zurück. Ich hab dann die Blockflöte ausgepackt und einfach das ganze englische Kindersongsbuch zweimal gespielt. Das beruhigte alle etwas, auch wenn es schon etwas gruselig ist, wenn einem ein kleiner alter Mann dabei ständig die Schulter streichelt und ein Frau das Notenbuch klauen will.
Eigentlich hatte ich frohen Mutes für einen ganzen Tag zugesagt, doch da es schon morgens klar war, dass meine Mithilfe während dieser Woche keinen Sinn machten Michael und ich aus, dass ich um 12 Uhr gehen kann. Ich habe noch nie so sehr auf 12 Uhr gehofft, nicht während meiner ganzen 12,5 Jahre Schule, noch nicht mal in Latein oder gar Mathe. Ich war völlig fertig, wütend, traurig und besorgt. Michael hat Gott sei Dank gleich gemerkt, dass ich das keine ganze Woche durchhalte und hat mich für den Rest der Woche, bis die Kinder wieder da sind, im normalen Waisenhaus eingeschrieben. Diese Menschen dort brauchen dringend Hilfe, aber nicht von mir alleine. Ich kann noch nicht mal 3 gleichzeitig händeln, alle 40 ohne jede Unterstützung und Einweisung ist außerhalb jedes Rahmens.
Mit Personal ist das wieder etwas anderes, aber nicht ohne und nicht die Erwachsenen, das packe ich nicht. Zu viel für „Ronakka“. Wenn die Kinder und das Personal wieder da sind wird alles anders. Dann bin ich in einem anderen Teil des Heimes, in der Schule und vielleicht kann mit auch mal jemand erklären, was ich tun soll.
Die anderen Voluntäre waren dort als alle da waren (Personal und Kinder) und Cadence hat zwei Wochen dort gearbeitet. Es soll sehr gut gewesen sein. Aber dieser Tag heute bedarf absolut keiner Wiederholung.

Sonntag, 17. April 2011


wilma und die kinder

mein bett

der Sonnenuntergang am strand vor dem haus

Samstag, 16. April 2011

Busfahren, oder die absolute Nahtoderfahrung



Heute haben Amanda und ich uns nach dem Frühstück aufgemacht um nach Mirissa zu fahren. Alle Reiseführer sagen, dass sei der allerschönste Strand hier.
Also ab zur Busstation, zum Bus durchfragen und reinquetschen.
das Haus meiner gastfamilie
Der Bus hatte wohl so etwa 40 Sitzplätze. Zu Beginn waren wohl so etwa 60 Menschen im Bus. Dieser setzte sich in Bewegung und schlängelte sich im Affenzahn durch die Straßen von Galle, an der Küste entlang. In Sri Lanka bezahlt man nicht beim Fahrer, sondern ein Mann geht rum und kassiert den Fahrpreis. Dieser Mann hängt die meiste Zeit der Fahrt aus der offenen Tür des Busses heraus und schreit den Namen der Endstation, in diesem Fall Matara. Wenn man an einer Art Bushaltestelle, in Sri Lanka wohl eher als zufällige Zusammenkunft vieler Reisewilliger zu bezeichnen, vorbeikommt und die Leute mitgenommen werden wollen bremst der Bus schnell ab, die Leute springen auf den mehr oder weniger noch fahrenden Bus auf und weiter geht’s. So füllte sich der Bus im Laufe der einstündigen Fahrt sehr schnell und schlussendlich waren wohl so 70 Erwachsene und 40 Kinder im Bus. Amanda und ich standen mitten im Gang, eingequetscht zwischen ein paar Singhalesen in der brütenden Hitze. Sobald ein Sitz frei wurde schälte sich einer der anderen Fahrgäste wenn es sein musste von einem Ende des Busses zum anderen um den Sitz zu besetzen. Das hieß dann meistens, dass nicht nur eine Person über deine Füsse trampelt, sondern auch die 3 Kinder der Person, die sich hinter ihr durchschlängelten. Man wurde also ständig von allen Seiten angerempelt während man verzweifelt versuchte sich irgendwo festzuhalten.
Am Strand angekommen mussten wir feststellen, dass der Strand zwar tatsächlich ein absolutes tropisches Paradies ist, aber an diesem Tag leider absolut unbrauchbar. Schwimmen war unmöglich, da die Wellen sehr stark und hoch waren und auch am das Liegen am Strand war nicht möglich, da das Wasser bis zum Rand der Bäume hinaufschwappte. Wir konnten unsere Sachen gerade noch retten, bevor unsere Liegen komplett uberspült wurden. Also wieder ab auf die Straße, Ausschau nach einer Art Sammelplatz halten. Ein Bus kam und wir sprangen auf. Es war wieder sehr voll und ich musste nun auch noch darauf aufpassen, dass ich nicht aus der offenen Tür geschleudert werde während der Bus in einem höllischen Tempo um Ecken bog, alle anderen Fahrzeuge überholte, Kühen auswich und versuchte zu langsame Verkehrsteilnehmer auszuschalten. Der Fahrer trug keine Schuhe während er das auseinanderfallende Vehikel steuerte. Aus reinem Interesse bei welchem Tempo ich aus der Tür fallen würde wagte ich einen Blick auf den Tacho, aber der funktionierte, Gott sei Dank, nicht. Wir sagten wir wollten in Unawatuna aussteigen, der Busfahrer hat uns aber leider nicht verstanden, obwohl ich in geschliffenem ;-) Singhalesich darum gebeten habe uns dort rauszulassen. Also mussten wir eine laaaaaaaaaange Strecke in brütender Hitze laufen. Aber in Unawatuna waren die Wellen auch nicht viel niedriger. Monsoonsaison eben, da weiß man nie ob man schwimmen kann oder nicht.
Es ist aber trotzdem noch sehr schön einfach am Rande des Strands zu sitzen und zu lesen...

Freitag, 15. April 2011


Der Tsunami

Wir Europäer haben den Tsunami, der 2004 Sri Lanka erschütterte schon komplett vergessen. Schlimmer als das, noch ein anderes Land musste diese Naturkatastrophe erleben.
Hier weiß jeder noch ganz genau wie es am 26.12.2004 war. Gerade heute, als ein Mann in den Nachrichten verkündete, dass morgen ein neuer Tsunami das Land heimsuchen würde konnte man wieder die Furcht in den Augen der Menschen sehen.
Auch meine Gastfamilie wurde schwer vom Tsunami gebeutelt. Mein Gastvater war bei der Arbeit in Saudi Arabien und meine Gastmutter war im Krankenhaus. Dineshi, ihr kleiner Bruder und ihr Freund waren alleine Zuhause als die Welle sich aufbäumte und alles unter sich begrub. Mein Gastbruder wäre fast ertrunken, wenn Indika nicht im letzten Moment seine Hand hätte greifen können. Indika selbst hielt sich am Rand des Daches fest. Nach der Katastrophe lebte die Familie einen Monat ohne Wasser und Strom im Tempel. Ihr Haus war voller Schlamm, alles Hab und Gut wurde fortgespült. Dineshis Schulunterlagen waren nicht auffindbar, deshalb konnte sie ihren Abschluss erst ein Jahr später machen. Dieses Haus ist das einzige der Straße, dessen Grundmauern der Wasserflut stand hielten. Nur die Fenster und Türen, so wie die Möbel mussten erneuert werden. Alle anderen Häuser waren komplett zerstört. Das Haus von Indikas Familie war dem Boden gleich. Indika und Dineshi sind jetzt seit 8 Jahren zusammen. Schon 2003 hatte Indika angefangen ein Haus für ihn und Dineshi zu bauen, 2005 wenn es fertig sein sollte, sollte auch ihre Hochzeit stattfinden.
Leider zerstörte der Tsunami auch diese Vorstellung. Indikas Familie zog in das Haus bis ihres wieder aufgebaut war. Da sich die Familie aber nur ein sehr kleines neues Haus leisten konnte musste Indikas Bruder das Haus behalten. Sobald er wieder an Geld kam hat Indika ein neues Haus angefangen, auf einem Grundstück, welches die Familie als Tsunamihilfe vom Staat bekommen hat.
Das neue Haus ist nun fast fertig und im Oktober können die beiden nun heiraten.
Indika ist ein wrklich guter Freund, die Hochzeit zwischen ihm und Dineshi wurde nicht arrangiert. Liebesheirat wird hier in Sri Lanka immer gewöhnlicher.
Eine Hochzeit ist extrem teuer für die Eltern der Braut. Sie müssen ihr eine Art „Mitgift“, wie z.B. ein Stück Land oder eine große Menge Geld geben. Deshalb war es üblich die Heirat zu arrangieren und einen reichen Ehemann für die Tochter auszusuchen, dessen Familie keine große Mitgift erwarten würde.
Mein Gastvater hat erzählt, dass er sehr lange sparen musste, bis die Hochzeit seiner ersten Tochter stattfinden konnte. Ihr hat er ein Land gekauft. Dineshi und Indika werden die ganze Einrichtung für ihr Haus bekommen.
Indika baut das Haus ganz alleine. Seit 2 Jahren arbeitet er jeden Tag nach der Arbeit ganz alleine dort auf der Baustelle. Er spart jeden Cent um Baumaterial kaufen zu können. Den ohne Haus keine Hochzeit.
Im Moment ist es so das Dineshi nichts anderes tut als hier im Haus zu sein. Die Frauen in Sri Lanka sind immer in Angst vor den Männern auf den Straßen, weil sie immer nur die schlechten Dinge mitbekommen.
 Dineshi hatte einen Job, aber der war so schlecht bezahlt, dass sie genauso gut auch Zuhause bleiben kann anstatt den ganzen Tag zu arbeiten. Außerdem hatte sie einen sehr gemeinen Chef, der sie mobbte und versuchte aus der Firma zu ekeln.
Sie hat keine Hobbys, außer Filme schauen. Das kommt nicht daher, dass sie an nichts anderem interessiert ist, sie hat nur einfach kein Geld um irgendwelchen Freizeitbeschäftigungen nachzugehen.
Als Dineshi heute hörte, dass ein neuer Tsunami kommen soll war sie völlig geschockt. Wenn sie vom Tag des Tsunamis erzählt zittert sie immer noch.
Es gibt jetzt ein Warnsystem, welches 2 Stunden vor einem neuen Tsunami ausschlägt. Alle die angemeldet sind bekommen dann eine Sms und überall ertönen Sirenen. Dann müssen die Menschen so schnell wie möglich ins Landesinnere und auf Höhen flüchten.
Für den angeblichen neuen Tsunami gab es heute auch gleich wieder Entwarnung. Forscher haben die Vorhersage überprüft und nicht verifiziert. Mich hat das Ganze schon sehr erschreckt, aber Michael sagt, dass es öfter solche Menschen gibt, die das behaupten nur um die Menschen hier in Panik zu versetzen. Aber naja, nahe lag das ja schon, nach all dem, was in Japan passiert ist. Gott sei Dank wurde es nicht bestätigt.

Das Buddhistische Neujahrsfest

Seit Tagen waren alle in heller Aufregung wegen des Buddhistischen Neujahrsfestes. Die Straßen waren komplett überfüllt und man musste an manchen Geschäften seit dem morgen anstehen um am Mittag eventuell etwas kaufen zu können.
Alle Buddhisten kaufen für Neujahr alles neu. Es gibt neue Kleider, neue Vorhänge, das Haus wird geputzt etc. Die Frauen verbringen den ganzen vorigen Tag damit ganz bestimmte Süßigkeiten zuzubereiten. Am Neujahrstag selbst müssen die Buddhisten strengen Regeln folgen. Sie dürfen von 6 Uhr morgens bis 1 Uhr mittags nichts Essen oder trinken und sie dürfen niemandem etwas geben oder etwas annehmen. Pushba, die Gastmutter, ist die einzige Buddhistin im Haus, aber ihre Kinder folgen ihr. Pushba durfte uns morgens nicht mal unseren Tee geben. Sie musste ihn erst abstellen und dann konnten wir ihn nehmen. Wir haben den Morgen am Strand verbracht und ich habe einen ziemlich unschönen schmerzenden Sonnenbrand bekommen. LSF 30 ist wohl bei dieser Sonnenstärke zu wenig. Breanna gibt mir jetzt fürs nächste Mal ihre 50er Sonnencreme…
Um 1 Uhr wird dann mitten im Wohnzimmer eine Art Feuerstelle errichtet. Dort wird dann die Milch für den traditionellen Milchreis gekocht. Alle sind ganz verrückt nach dem Milchreis, der sehr salzig ist und mir gar nicht geschmeckt hat ;-)
Um 3 Uhr gibt es dann eine Art Festmahl. Dieses wird mit einer Zeremonie eröffnet. Der Vater des Hauses zündet eine Öllampe an. Dann gibt er jedem Familienmitglied ein Stück des erkalteten Milchreises und jeder bekommt 50 Rupies ( 30Cent). Wenn man die Rupies erhalten hat geht man vor dem Vater auf die Knie und berührt seine Füße als Dank. Das machen hier alle Kinder als Zeichen des Respeltes vor ihren Eltern und ihren Großeltern. Generell wird das Wohl der Alten hier sehr groß geschrieben. Michaels Mutter lebt direkt neben uns, sie kommt ab und an vorbei und dann gibt es einen Schaukelstuhl an der Tür, der extra für sie reserviert ist. Sie ist sehr süß. 72 Jahre alt, immer am lächeln und brabbeln. Wenn man sie begrüßt freut sie sich riesig und erzählt immer etwas auf Singahlesich. Man muss dann einfach nicken und wenn man geht sagt man Ayubowan, dann ist sie überglücklich. Als Kadence am Neujahrsfest zurück nach Amerika gefolgen ist, hat Atschi (das ist nicht der Name der Großmutter, sondern das Singhalesiche Wort für Oma, Atschis richtiger Name ist zu schwer) sogar geweint.
Wenn also jeder sein Geld bekommen hat ist der Tisch eröffnet. Es gibt allerhand Süßigkeiten und Kuchen. Jeder will hier immer, dass man alles probiert und ganz viel nimmt. Leider war das meiste auf dem Tisch entweder reiner Zucker oder ganz scharf oder am schlimmsten beides vermischt. Dann muss man einfach lächeln, es mit Tee runterspülen und beteuern, dass es gut war, aber man nichts mehr essen kann. Nach dem Essen bei meiner Gastfamilie wollte Atschi noch, dass wir etwas bei ihr Essen. Also weiterlächeln, etwas unverfängliches, wie einen Marshmallow, nehmen und wiederholen wie viel man doch schon gegessen hat.
Es gibt am Neujahrstag noch viele andere festgelegte Riten, wie z.B. eine Waschung mit Öl und eine Zeit zu der man ganz viele Feuerwerkskörper anzündet. Die Jungs, besonders Matt aus den Usa, waren den ganzen Tag mit nichts anderem beschäftigt.
An Neujahr ist alles geschlossen und die Straßen sind wie leergefegt.
Zur Feier des neuen Jahres und als Zeichen seiner Dankbarkeit hat uns Michael Fahrer, der immer die Voluntäre abholt und damit seinen Lebensunterhalt finanziert, zu sich eingeladen.
Also wurden um 12 Uhr alle ins Auto geladen. Auf dem Weg zum Haus haben wir auch noch die anderen Voluntäre abgeholt, die ja wochentags im Kinderheim arbeiten. So ging es also mit 13 Personen, einem Fahrer und einem Baby im Kleinbus durch die verschlungenen Straßen von Galle. Wir fuhren zum Schluss eine sehr steile Straße hoch, die gerade so breit war wie der Bus und da waren wir. Alle raus aus dem Bus, alle Schuhe aus. Im Haus wartete schon die ganze Familie des Fahrers, einschließlich aller seiner Neffen und Nichten. Man reichte Bier (das hier für die normale Bevölkerung fast unerschwinglich ist) und Saft. Dann wurde ein riesiges Buffet mit allen möglichen Speisen aufgebaut. Das Essen war unglaublich scharf. Ich habe zuerst die anderen probieren lassen und dann die weniger „gefährlichen“ Sachen, wie puren Reis und Gemüse genommen. Hier in Sri Lanka ist der Gast immer der Erste. Niemand ist etwas bevor nicht jeder Gast genug hatte. Selbst wenn man hundert mal betont, dass sie sich doch bedienen sollen, wird kein Sri Lanker das Essen anrühren, bevor man seinen Teller nicht abgestellt und beteuert hat, dass man völlig satt ist.
Zum Nachtisch gab es Schokoladeneis und flüssigen Wackelpudding. Als der Gastgeber in einem Gespräch aufschnappte, dass jemand gerne Vanilleeis mag wurde sofort jemand geschickt um welches zu kaufen.
Der Fahrer selbst hat 3 Töchter. Diese waren unglaublich süß. Als ich sie auf Singahlesich fragte, wie sie heißen waren sie ganz verblüfft und antworteten ganz schüchtern. Die beiden älteren haben dann versucht der kleinsten beizubringen, wie sie auf Englisch antworten kann, aber sie hat sich nicht getraut. Als sie meinen Namen hörten haben die Kinder sich kaputt gelacht. Ronja haben sie natürlich noch nie gehört und aussprechen kann den Namen hier auch niemand. Im Kinderheim werde ich den Kinder einfach sagen ich heiße Cathi, die Kurzform meines Zweitnamens Cathrina, weil sie meinen Namen wohl auch nicht werden aussprechen können.
Die Kinder waren ganz angetan von uns. Die Mädchen haben mich die ganze Zeit angestarrt und gesagt wie schön meine Augen seien. Als Wilma ihre Kamera ausgepackt hat waren die Kinder völlig aus dem Häuschen. Sie konnten einfach nicht verstehen, wie sie in den Apparat kommen und alle 10 versuchten immer aufs Bild zu kommen. Als Wilma ihnen dann ein Video gezeigt hat waren sie wie gebannt vor dem Bildschirm. Die Mädels haben uns alle ihre Namen aufschreiben lassen und unsere Telefonnnummern. Ich weiß nicht ob sie uns anrufen wollen oder so, vielleicht ist es nur eine Art Erinnerung.
Die Familie lebt in sehr ärmlichen Verhältnissen. Das Haus war fern des Stadtzentrums, sehr klein und sehr spärlich eingerichtet. Michael hat jedem der Kinder etwas Geld gegeben, dass hat sie völlig umgehauen.
Zum Abschied haben alle gewunken wie die Weltmeister, ich glaube „so etwas“ wie uns sehen sie nicht allzu oft.
Heute Nachmittag waren wir dann am „Dutch fort“. Eine der sieben größten Sehenswürdigkeiten Sri Lankas. Eine alte Festungsanlage, direkt am Meer, die die Holländer zum Schutz vor Feinden errichteten. Früher lag die ganze Stadt Galle innerhalb des Forts. Heute erstreckt sie sich über viele viele Quadratkilometer um das Fort herum. Man kann einmal um das ort herumlaufen, dass einen sehr schönen Blick auf die Stadt und das Meer ermöglicht. Innerhalb gibt es einen alten Leuchtturm, viele kleine Geschäfte und das Gericht.
Man findet sehr viele riesige alte Bäume, die sich nur vom Regenwasser am Leben halten. Viele von ihnen sind schon 200 Jahre alt. Zur Feier des Neujahrsfest haben viele Einheimische im Wasser rund um die Mauern des Forts gebadet. Ein witziges Spektakel, da die Singhalesen auf Grund ihrer Religion immer völlig bekleidet ins Wasser steigen. Dann kommen sie raus und ihre Kleider sind komplett durchnässt und somit ziemlich durchsichtig, sodass man ihre Unterwäsche doch sieht ;-) Heute Abend gab es wieder ein großes Gewitter und massig Regen. Wenn es regnet, regnet es sehr heftig aber nicht allzu lange. Wir Volontäre saßen nach dem Essen noch am Tisch und haben einfach gequatscht. Es ist einfach unglaublich was die anderen so erlebt haben und was sie tun. Wilma, die amerikanische Rentnerin, die in Haiti war, schreibt ständig Firmen an und bittet um Sachspenden. Sie hat so viel zu erzählen und hat einfach eine unglaubliche Einstellung. Jenni aus England war die letzen 6 Monate in Indien und ist jetzt hier bei uns. Ihre Mutter kommt nächste Woche und hat 700 Pfund Spenden gesammelt. Jenni ist so aufgeregt, weil sie ganz genau geplant hat, was sie den Kindern kaufen will und was sie in der Schule hier verändern will. Sie erzählt so lebhaft von den Kindern, man merkt richtig wie viel Spaß es ihr macht.
Heute Abend gab es Spaghetti mit Ei, ohne Curry, ohne irgendein scharfes Gewürz. Natürlich gab es auch höllisch scharfe Currysauce dazu, aber es ist so süß, dass Pushba so etwas zu Essen macht. Jetzt am Anfang vermisst man noch viele Sachen wie Käse ( nein, so etwas gibt es hier nicht mal ansatzweise) oder Brötchen ohne Chillifüllung, Saft der kein Papayasaft ist, Wasser mit Kohlensäure, warmes Wasser wenn man das Fenster im Bad nicht schließen kann während draußen ein Gewitter tobt, Anschnallgurte in diesem verrückten Verkehr, Fenster die die Kleintiere und die Hitze abhalten und Glätteisen ( die bei der Luftfeuchtigkeit ohnehin nutzlos sind)…Aber mittlerweile merkt man wie man sich an alles gewöhnt, was einem zuvor so unglaublich anders erschien. Wenn man mit dem TukTuk durch Galle fährt ist es witzig zu beobachten wie ab und an zwei Weiße in einem anderen TukTuk um ihr Leben bangen. Wenn sie einen dann gequält anlächeln versuche ich immer ein aufmunterntes „Seht wir haben das auch überlebt“- Lächeln bereitzuhalten.
So das wars für heute, genug Lesestoff für alle Daheimgebliebenen....

Mittwoch, 13. April 2011



Dienstag, 12. April 2011

Heute hatten wir morgens wieder Sprachkurs und Kulturunterricht. Wenn wir damit fertig sind gehen Amanda und ich immer runter zum Strand und versuchen ein bisschen zu lernen, aber es ist schwer, die Wörter sind so lang und kompliziert…
Zum Mittagessen gab es eine kleine Abschiedsparty für Emily aus England, die drei Monate hier verbracht hat. Ihre Eltern haben sie abgeholt und gemeinsam reisen sie nun noch etwas durchs land bevor sie nach hause gehen.
Es gab wunderbares essen. Daal, reis, chinesische nudeln, rührei und sogar etwas eis. Anschließend hat der verlobte meiner gastschwester dineshi uns zum turtle project gebracht. Die schildkröten sind sehr süß. Die leute im projekt sammeln die eier am strand auf um sie vor raub zu schützen, da viele hier in sri lanka die eier essen. Die eier werden dann vergraben und nach einigen wochen schlüpfen kleine schildkröten. Diese kommen in ein großes becken, wo sie etwas rumplanschen und gefüttert werden. Nach 3 tagen werden sie dann in die freiheit entlassen. Ein paar schildkröten bleiben jedoch länger in der station, damit ihre art erhalten werden kann. Viele der großen meeresschildkrötenarten, die bis zu 250kg schwer werden, sind vom aussterben bedroht. Wenn die erwachsenen schildkröten dann 2 bis 3 mal eier gelegt haben können auch sie in dir freiheit. Eigentlich wollten wir heute auch noch die „Steel-Fisher“ sehen. Diese sitzen auf einem sehr langen stück holz mitten im wasser und fischen, aber der mosoon hat uns einen strich durch die rechnung gemacht, vllt. klappt es morgen. Der Monsoon ist jedoch sehr erfrischend. Es ist etwas kühler geworden, somit ist es nicht mehr so drückend.
Dann sind wir einfach zurück und haben uns noch lange mit den anderen voluntären hier unterhalten. Alle von ihnen haben so viel interessantes erlebt. Jennifer hat so viel zu erzählen von Indien und Matt hat heute zum ersten mal erzählt, dass er im irak war.
Mein neues zimmer ist sehr gut. Das bett hat 2 matrazen und ist viel größer als das vorherige. Dieses war zu kurz und sehr schmal. Das neue zimmer liegt auch zum garten hinaus und nicht zur straße. Kendance wird am Donnerstag aus diesem zimmer ausziehen und nach hause gehen, dann kann Amanda zu mir kommen, das wird super.
Heute habe ich rausgefunden, dass man das leitungswasser im haus trinken kann. Die familie hat sich einen filter gekauft, gut dass ich mir die zähne seit 3 tagen mit wasser aus der flasche putze ;-)

Mittwoch
Heute morgen hat es mich voll erwischt. Mir war speiübel und mein Magen hat sich gedreht. Nach ein paar Tabletten und etwas Ruhe ging es mir schon wieder besser. Wir sind dann doch nicht zum Fort, sondern haben den Rest des Tages einfach am Strand verbracht. Das Wassser ist sehr warm und hellblau und der Sand ganz fein…Morgen wird hier Buddhistisches Neujahr geifert, da bin ich mal gespannt. Dineshi hat erzählt, dass man von 6 Uhr morgens bis 1 Uhr mittags niemandem etwas geben darf und erst ab 1 Uhr darf gegessen werden und es gibt eine Art Zeremonie mit Öllampen und so. Da bin ich mal gespannt, wie das abläuft…

Montag, 11. April 2011

Die ersten zwei Tage

Am Samstag ging es los. Um 20.35 Uhr sollte ich fliegen, also fanden wir uns gegen 18.00 Uhr am Flughafen ein. Den Schalter von Sri Lankan Airlines haben wir sofort gefunden und dann musste nur noch das Gepäck auf die Waage. 30kg aufgegebenes Gepäck und 7 kg Handgepäck dürfen eigentlich mitgenommen werden. Mein Koffer und meine Tasche brachten zusammen jedoch 36kg auf die Waage. Mein Rucksack vom Handgepäck noch mal 6kg und dann noch meine Laptoptasche, die man mit 2kg veranschlagte. Tatsächlich wog das Ding wohl so an die 4kg. Nach einger Erklärung der Tatsache, dass eine Tasche komplett nur Geschenke für das Kinderheim enthielt entschied die supernette Frau hinter dem Schalter zusammen mit einem anderen Mann, dass zwei Kilo gehen müssten und der Rest in Ordnung sei. Naja, Koffer auf, die 2 kg Gummibärchen fürs Kinderheim raus und dann ging das Gepäck durch, ohne Aufschlag (1kg Übergepäck kostet normalerweise 37€).
Man riet mir dann einfach Gummibärchen im Duty free zu kaufen. Da aber beide Personen hinter dem Schalter dabei zwinkerten habe ich die Gummibärchen als wir um die Ecke waren einfach in meine Laptoptasche gestopft und naja so sind jetzt etwa 7kg Übergepäck mit mir hier in Sri Lanka.
Leider hatte mein Flug zwei Stunden Verspätung. Es war mal wieder Gate D8, das gleiche wie 4 Wochen zuvor nach Amerika. Um 22.30 Uhr ging es also in den Flieger. Sehr schönes Flugzeug: Jeder Sitz hat seinen eigenen Bildschirm, Kissen und Decke warten auf einen am Platz. Ich hatte gleich zwei Plätze am Fenster ganz für mich.
Eine der Stewardessen, die in sehr schöne blaue Saris gekleidet sind, ging zu Beginn mit warmen Tüchern rund. Dann kam auch gleich etwas zu Trinken, das leckere Essen und Tee. Alles wirklich gut, richtige Gläser, richtiges Besteck.
Ich hatte Salat, Fisch mit Linsen und Kartoffeln und als Dessert einen Schokokuchen mit Vanillesauce. Zum Frühstück gab es Omlette mit Bratkartoffeln, Crossaint und Brötchen.
Naja irgendwie gehen auch 10 Stunden im Flugzeug rum und so landete ich um 11.15 Uhr Orstzeit in Colombo. Wenn man aus dem Flugzeug aussteigt trifft einen zunächst die unglaubliche Hitze. Ich bin also zu Immigration, mein Vis wurde kontrolliert, dann ging es ab zum Band. Meine Koffer kamen, wie immer, mit als letzes, aber sie sind beide unbeschädigt angekommen. Ich fuhr also mit meinem Trolley raus und bin gleich zum Geldwechseln. Hinter mir stellten sich drei Männer an. Diese wurden nach einer Minute von der Polizei abgeführt, sie wehrten sich heftig. Naja, ich habe dann meine ersten 25.000 Rupien in Empfang genommen. 1€ entspricht etwa 157 Srilankischen Rupien.
Ein paar Meter weiter wartete ein freund meines Gastvaters mit einem Schild auf mich. Wir haben dann draußen auf den Van gewartet, der uns nach Galle bringen sollte. Vor dem Flughafen herrschte große Hektik. Ständig kamen neue Autos und andere fuhren weg. Die Menschen hier fahren einfach drauf los, es gibt keine Regeln. Es kommt alle paar Sekunden zu „Fast-Zusammenstößen“.
Dann kam unser Van, mein Gepäck wurde eingeladen und ab ging es. Mit einem Affenzahn schlängelten wir uns in unsrem klapprigen Gefährt durch Colombo zu einem Hottel. Dort wartete Amanda, eine Voluntärin aus Schweden, die die Orientierungswoche mit mir macht. Sie wird später im Elefantenwaisenhaus arbeiten. Von dort aus ging es in einem weiter nach Galle. Wir haben etwa 4,5 Stunden für die 113km gebraucht. Als wir aus der Stadt draußen waren fuhren wir die ganze Zeit am wunderschönen blauen Sandstrand entlang. Gott sei Dank gab es eine Klimaanlage im Auto. Unterwegs haben wir fast 3 Menschen überfahren und etwa 100 Tuk-Tuks platt gemacht, aber irgendwie klappt das her mit dem Verkehr ohne größere Zusammenstöße. Jeder überholt wie und wann er will und jeder fährt so schnell wie er kann.

Im Haus angekommen wurden wir nett begrüßt und uns wurde unser Zimmer gezeigt. Das ganze Haus war voll mit Menschen, da viele Verwandten aus Colombo gekommen sind um am Abend eine Hochzeit zu besuchen. Das Haus ist seeehr einfach. Unser Zimmer ist sehr klein, nicht wirkich sauber und die Matratzen sind nicht mehr als 5cm dick. Aber es gibt einen wunderbaren Ventilator, der die Hitze wenigstens etwas erträglicher macht. Das Bad ist so ähnlich wie in der Toskana. Die Dusche ist ein Schlauch, der aus der Wand kommt. Es gibt eine Toilette, aber diese ist sehr kaputt.
Aber es gibt Wasser und auch Strom, die Familie hat sogar manchmal Internet. Wesentlich mehr als ich erwartet hatte, das Wasser muss zwar vor dem Trinken gekocht werden, aber es riecht noch nicht mal.Wenn man seine Stecker in die ramponierten Steckdosen steckt knistert es und Funken kommen heraus, aber naja mein Laptop lädt. Einen Stromschlag habe ich auch noch nicht bekommen.
Die Küche hier im Haus hat zwei Kochplatten, auf denen ständig Reis und Curry köcheln. Meine Gastmutter ist im Moment sehr beschäftigt. Sie wäscht alle Vorhänge mit einem Waschbrett und kocht große Mengen an Essen für das Buddhistische Neujahrsfest am Mittwoch und Donnerstag. Sie ist Buddhistin, mein Gastvater ist Katholik. Das Essen, Reis mit Curry, jeden Tag, ist lecker, jedoch unglaublich scharf. Man nimmt einfach viel Reis und ganz wenig Soße und hofft, dass es sich gut vermischt. Zum Frühstück gab es einen Versuch Weißbrot zu backen. Dieses war zwar außen recht schwarz, aber innen ganz ok. Die starke Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit machen es einem jedoch fast unmöglich etwas zu Essen.
Man hat immer das Gefühl komplett durchgeschwitzt zu sein, alles klebt an einem, aber man darf in der Öffentlichkeit keine Tops und kurze Hosen tragen.

Heute hatten wir unsere erste Sprachstunde und eine Einführung in die Kultur. Wir waren dann noch etwas am Strand gegenüber des Hauses. Dieser ist sehr schön, von Palmen umgeben, aber man kann dort nicht schwimmen. Die Wellen sind sehr stark und die Anwohner sind etwas zu begeistert von Weißen in Badeanzügen.
Amanda und ich sind dann mit einer anderen Voluntärin, die aus den USA kommt, nach Uwatuana gefahren, einem absoluten Strandparadies. Dieses ist eher touristisch geprägt und man kann dort sogar im Bikini schwimmen. Das Wasser ist hellblau und der Sand ganz fein und weiß. Die Wellen sind jedoch heute sehr hoch gewesen. Beim Versuch vor einem Riesenfisch zu fliehen habe ich keinen Halt auf dem Boden bekommen und wurde von den Wellen zurückgezogen. Leider über ein paar Steine, so das meine Beine jetzt ganz verschrammt sind, aber es tut nicht weh.
Wir sind mit dem Tuk Tuk hin und auch zurück gefahren. Eine aufregende Sache, man rast mit diesem kleinen Gefährt an allen vorbei, über Polterwege und zwischen LKWs durch.
Anschließend sind wir mit Michael, meinem Gastvater mit dem Tuk Tuk in die Stadt. Wir haben eine Srilankische Simkarte bekommen und haben versucht Geld abzuheben. Wenn ich die Simkarte aufgeladen habe, die einen Euro gekostet hat und tatsächlich in meinem Handy funktioniert, kann ich mal in Deutschland anrufen. Eine Minute kostet wohl so einen halben Dollar, was für diese weite Entfernung ja nicht wirklich viel ist, mal sehen ob das funktioniert.
Morgen werden wir in ein Projekt für Babyschildkröten fahren und das Fort besichtigen.
Wir waren auch in einem kleinen Supermarkt, der mehr hat, als ich dachte. Man kann dort so ziemlich alles kaufen, was man in Deutschland auch bekommt.
Und vor Allem gibt es Air Conditioning <3

Alles in Allem kann man sagen, es ist sehr schön hier. Der Kulturunterschied und die Armut treffen mich jedoch stark. Fast alle Häuser hier wurden vom Tsunami zerstört. Alles befindet sich im Aufbau oder muss abgerissen werden. Meine Gastfamilie hatte nach dem Tsunami nichts mehr. Der Bruder von Michael starb in den Wellen, er kümmert sich nun um dessen drei Söhne. Meine Gastschwester und ihr Mann leben nun auch hier. Sie haben ein Baby bekommen und können sich vom niedrigen Gehalt des Mannes keine Wohnung mehr leisten. Das kleine Baby ist unglaublich süß und lacht die ganze Zeit.

Am nächsten Wochenende werden wir einen Trip ins Landesinnere machen und die „ancient cities“ besuchen. Wir werden vier Tage unterwegs sein und auch Elefanten sehen, eine Teeplantage besuchen, den Tempel des heiligen Zahns besuchen und vieles mehr. Darauf freue ich mich schon sehr. Ich freue mich auch darauf, ab nächster Woche im Kinderheim zu arbeiten. Es soll toll dort sein. Die anderen Voluntäre, unter ihnen auch eine Rentnerin aus Kalifornien, die dank einiger Sri Lanker das Erdbeben in Haiti überlebt hat, sagen es gibt so unglaublich viel zu tun, dass man gar nicht weiß wo man anfangen soll. Katie kümmert sich zum Beispiel nur um die Säuglinge, die den ganzen Tag weinen und brüllen, weil sie so hungrig und müde sind. Ich bin sehr gespannt wie das wird.

Hier ist es gerade halb sieben, die Sonne geht schon um 6Uhr unter, dafür geht sie um 6 Uhr morgens auch auf. Kühl wird es nie. Selbst heute Abend, da haben wir Gewitter und heftigen Monsoonregen, wird es nicht kühler.
Morgen ziehe ich in ein anderes Zimmer, da eine Voluntärin  geht und eine neue kommt und die dann mein Bett bekommt. Das neue Bett hat, soweit ich mich nicht versehen habe eine richtig dicke Matraze, was eine Errungenschaft ,-)

Die anderen Voluntäre hier sind richtige Weltenbummler. Matt, aus den USA, kommt gerade aus Korea, wo er Unterricht gegeben hat, Katie war ein halbes Jahr in Indien, die Rentnerin war zuvor in Haitit, Amanda war 6 Monate als Aupair in Australien und geht anschließend nach Vietnam und Thailand. Ich glaube mir reichen 3 Monate erstmal, es wird schwer genug sein sich nach diesem Kulturunterschied wieder an Deutschland zu gewöhnen.
Achja, Deutschland, das Land mit den Duschen und dem milden Klima und den Fenstern in den Zimmer und ohne Mosiktos.

Aber im Moment bin ich recht zufrieden und glücklich hier in Sri Lanka, was übersetzt „wunderschönes Land“ heißt, was es auch ist.
Ich sichere jetzt mal lieber alle meine neuen Bilder,
wer weiß ob das Laptop nicht demnächst explodiert. Aber die ganzen Amerikaner haben auch alle ihre Laptops hier und denen geht’s auch noch gut.
Gerade sitze ich unter meinem Moskitozelt und genieße das Lüftchen des Ventilators…

Ayubowan et Suba rathriyak (Singahlesich für: Auf Wiedersehen und Gute Nacht !)

Montag, 4. April 2011