Montag, 11. April 2011

Die ersten zwei Tage

Am Samstag ging es los. Um 20.35 Uhr sollte ich fliegen, also fanden wir uns gegen 18.00 Uhr am Flughafen ein. Den Schalter von Sri Lankan Airlines haben wir sofort gefunden und dann musste nur noch das Gepäck auf die Waage. 30kg aufgegebenes Gepäck und 7 kg Handgepäck dürfen eigentlich mitgenommen werden. Mein Koffer und meine Tasche brachten zusammen jedoch 36kg auf die Waage. Mein Rucksack vom Handgepäck noch mal 6kg und dann noch meine Laptoptasche, die man mit 2kg veranschlagte. Tatsächlich wog das Ding wohl so an die 4kg. Nach einger Erklärung der Tatsache, dass eine Tasche komplett nur Geschenke für das Kinderheim enthielt entschied die supernette Frau hinter dem Schalter zusammen mit einem anderen Mann, dass zwei Kilo gehen müssten und der Rest in Ordnung sei. Naja, Koffer auf, die 2 kg Gummibärchen fürs Kinderheim raus und dann ging das Gepäck durch, ohne Aufschlag (1kg Übergepäck kostet normalerweise 37€).
Man riet mir dann einfach Gummibärchen im Duty free zu kaufen. Da aber beide Personen hinter dem Schalter dabei zwinkerten habe ich die Gummibärchen als wir um die Ecke waren einfach in meine Laptoptasche gestopft und naja so sind jetzt etwa 7kg Übergepäck mit mir hier in Sri Lanka.
Leider hatte mein Flug zwei Stunden Verspätung. Es war mal wieder Gate D8, das gleiche wie 4 Wochen zuvor nach Amerika. Um 22.30 Uhr ging es also in den Flieger. Sehr schönes Flugzeug: Jeder Sitz hat seinen eigenen Bildschirm, Kissen und Decke warten auf einen am Platz. Ich hatte gleich zwei Plätze am Fenster ganz für mich.
Eine der Stewardessen, die in sehr schöne blaue Saris gekleidet sind, ging zu Beginn mit warmen Tüchern rund. Dann kam auch gleich etwas zu Trinken, das leckere Essen und Tee. Alles wirklich gut, richtige Gläser, richtiges Besteck.
Ich hatte Salat, Fisch mit Linsen und Kartoffeln und als Dessert einen Schokokuchen mit Vanillesauce. Zum Frühstück gab es Omlette mit Bratkartoffeln, Crossaint und Brötchen.
Naja irgendwie gehen auch 10 Stunden im Flugzeug rum und so landete ich um 11.15 Uhr Orstzeit in Colombo. Wenn man aus dem Flugzeug aussteigt trifft einen zunächst die unglaubliche Hitze. Ich bin also zu Immigration, mein Vis wurde kontrolliert, dann ging es ab zum Band. Meine Koffer kamen, wie immer, mit als letzes, aber sie sind beide unbeschädigt angekommen. Ich fuhr also mit meinem Trolley raus und bin gleich zum Geldwechseln. Hinter mir stellten sich drei Männer an. Diese wurden nach einer Minute von der Polizei abgeführt, sie wehrten sich heftig. Naja, ich habe dann meine ersten 25.000 Rupien in Empfang genommen. 1€ entspricht etwa 157 Srilankischen Rupien.
Ein paar Meter weiter wartete ein freund meines Gastvaters mit einem Schild auf mich. Wir haben dann draußen auf den Van gewartet, der uns nach Galle bringen sollte. Vor dem Flughafen herrschte große Hektik. Ständig kamen neue Autos und andere fuhren weg. Die Menschen hier fahren einfach drauf los, es gibt keine Regeln. Es kommt alle paar Sekunden zu „Fast-Zusammenstößen“.
Dann kam unser Van, mein Gepäck wurde eingeladen und ab ging es. Mit einem Affenzahn schlängelten wir uns in unsrem klapprigen Gefährt durch Colombo zu einem Hottel. Dort wartete Amanda, eine Voluntärin aus Schweden, die die Orientierungswoche mit mir macht. Sie wird später im Elefantenwaisenhaus arbeiten. Von dort aus ging es in einem weiter nach Galle. Wir haben etwa 4,5 Stunden für die 113km gebraucht. Als wir aus der Stadt draußen waren fuhren wir die ganze Zeit am wunderschönen blauen Sandstrand entlang. Gott sei Dank gab es eine Klimaanlage im Auto. Unterwegs haben wir fast 3 Menschen überfahren und etwa 100 Tuk-Tuks platt gemacht, aber irgendwie klappt das her mit dem Verkehr ohne größere Zusammenstöße. Jeder überholt wie und wann er will und jeder fährt so schnell wie er kann.

Im Haus angekommen wurden wir nett begrüßt und uns wurde unser Zimmer gezeigt. Das ganze Haus war voll mit Menschen, da viele Verwandten aus Colombo gekommen sind um am Abend eine Hochzeit zu besuchen. Das Haus ist seeehr einfach. Unser Zimmer ist sehr klein, nicht wirkich sauber und die Matratzen sind nicht mehr als 5cm dick. Aber es gibt einen wunderbaren Ventilator, der die Hitze wenigstens etwas erträglicher macht. Das Bad ist so ähnlich wie in der Toskana. Die Dusche ist ein Schlauch, der aus der Wand kommt. Es gibt eine Toilette, aber diese ist sehr kaputt.
Aber es gibt Wasser und auch Strom, die Familie hat sogar manchmal Internet. Wesentlich mehr als ich erwartet hatte, das Wasser muss zwar vor dem Trinken gekocht werden, aber es riecht noch nicht mal.Wenn man seine Stecker in die ramponierten Steckdosen steckt knistert es und Funken kommen heraus, aber naja mein Laptop lädt. Einen Stromschlag habe ich auch noch nicht bekommen.
Die Küche hier im Haus hat zwei Kochplatten, auf denen ständig Reis und Curry köcheln. Meine Gastmutter ist im Moment sehr beschäftigt. Sie wäscht alle Vorhänge mit einem Waschbrett und kocht große Mengen an Essen für das Buddhistische Neujahrsfest am Mittwoch und Donnerstag. Sie ist Buddhistin, mein Gastvater ist Katholik. Das Essen, Reis mit Curry, jeden Tag, ist lecker, jedoch unglaublich scharf. Man nimmt einfach viel Reis und ganz wenig Soße und hofft, dass es sich gut vermischt. Zum Frühstück gab es einen Versuch Weißbrot zu backen. Dieses war zwar außen recht schwarz, aber innen ganz ok. Die starke Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit machen es einem jedoch fast unmöglich etwas zu Essen.
Man hat immer das Gefühl komplett durchgeschwitzt zu sein, alles klebt an einem, aber man darf in der Öffentlichkeit keine Tops und kurze Hosen tragen.

Heute hatten wir unsere erste Sprachstunde und eine Einführung in die Kultur. Wir waren dann noch etwas am Strand gegenüber des Hauses. Dieser ist sehr schön, von Palmen umgeben, aber man kann dort nicht schwimmen. Die Wellen sind sehr stark und die Anwohner sind etwas zu begeistert von Weißen in Badeanzügen.
Amanda und ich sind dann mit einer anderen Voluntärin, die aus den USA kommt, nach Uwatuana gefahren, einem absoluten Strandparadies. Dieses ist eher touristisch geprägt und man kann dort sogar im Bikini schwimmen. Das Wasser ist hellblau und der Sand ganz fein und weiß. Die Wellen sind jedoch heute sehr hoch gewesen. Beim Versuch vor einem Riesenfisch zu fliehen habe ich keinen Halt auf dem Boden bekommen und wurde von den Wellen zurückgezogen. Leider über ein paar Steine, so das meine Beine jetzt ganz verschrammt sind, aber es tut nicht weh.
Wir sind mit dem Tuk Tuk hin und auch zurück gefahren. Eine aufregende Sache, man rast mit diesem kleinen Gefährt an allen vorbei, über Polterwege und zwischen LKWs durch.
Anschließend sind wir mit Michael, meinem Gastvater mit dem Tuk Tuk in die Stadt. Wir haben eine Srilankische Simkarte bekommen und haben versucht Geld abzuheben. Wenn ich die Simkarte aufgeladen habe, die einen Euro gekostet hat und tatsächlich in meinem Handy funktioniert, kann ich mal in Deutschland anrufen. Eine Minute kostet wohl so einen halben Dollar, was für diese weite Entfernung ja nicht wirklich viel ist, mal sehen ob das funktioniert.
Morgen werden wir in ein Projekt für Babyschildkröten fahren und das Fort besichtigen.
Wir waren auch in einem kleinen Supermarkt, der mehr hat, als ich dachte. Man kann dort so ziemlich alles kaufen, was man in Deutschland auch bekommt.
Und vor Allem gibt es Air Conditioning <3

Alles in Allem kann man sagen, es ist sehr schön hier. Der Kulturunterschied und die Armut treffen mich jedoch stark. Fast alle Häuser hier wurden vom Tsunami zerstört. Alles befindet sich im Aufbau oder muss abgerissen werden. Meine Gastfamilie hatte nach dem Tsunami nichts mehr. Der Bruder von Michael starb in den Wellen, er kümmert sich nun um dessen drei Söhne. Meine Gastschwester und ihr Mann leben nun auch hier. Sie haben ein Baby bekommen und können sich vom niedrigen Gehalt des Mannes keine Wohnung mehr leisten. Das kleine Baby ist unglaublich süß und lacht die ganze Zeit.

Am nächsten Wochenende werden wir einen Trip ins Landesinnere machen und die „ancient cities“ besuchen. Wir werden vier Tage unterwegs sein und auch Elefanten sehen, eine Teeplantage besuchen, den Tempel des heiligen Zahns besuchen und vieles mehr. Darauf freue ich mich schon sehr. Ich freue mich auch darauf, ab nächster Woche im Kinderheim zu arbeiten. Es soll toll dort sein. Die anderen Voluntäre, unter ihnen auch eine Rentnerin aus Kalifornien, die dank einiger Sri Lanker das Erdbeben in Haiti überlebt hat, sagen es gibt so unglaublich viel zu tun, dass man gar nicht weiß wo man anfangen soll. Katie kümmert sich zum Beispiel nur um die Säuglinge, die den ganzen Tag weinen und brüllen, weil sie so hungrig und müde sind. Ich bin sehr gespannt wie das wird.

Hier ist es gerade halb sieben, die Sonne geht schon um 6Uhr unter, dafür geht sie um 6 Uhr morgens auch auf. Kühl wird es nie. Selbst heute Abend, da haben wir Gewitter und heftigen Monsoonregen, wird es nicht kühler.
Morgen ziehe ich in ein anderes Zimmer, da eine Voluntärin  geht und eine neue kommt und die dann mein Bett bekommt. Das neue Bett hat, soweit ich mich nicht versehen habe eine richtig dicke Matraze, was eine Errungenschaft ,-)

Die anderen Voluntäre hier sind richtige Weltenbummler. Matt, aus den USA, kommt gerade aus Korea, wo er Unterricht gegeben hat, Katie war ein halbes Jahr in Indien, die Rentnerin war zuvor in Haitit, Amanda war 6 Monate als Aupair in Australien und geht anschließend nach Vietnam und Thailand. Ich glaube mir reichen 3 Monate erstmal, es wird schwer genug sein sich nach diesem Kulturunterschied wieder an Deutschland zu gewöhnen.
Achja, Deutschland, das Land mit den Duschen und dem milden Klima und den Fenstern in den Zimmer und ohne Mosiktos.

Aber im Moment bin ich recht zufrieden und glücklich hier in Sri Lanka, was übersetzt „wunderschönes Land“ heißt, was es auch ist.
Ich sichere jetzt mal lieber alle meine neuen Bilder,
wer weiß ob das Laptop nicht demnächst explodiert. Aber die ganzen Amerikaner haben auch alle ihre Laptops hier und denen geht’s auch noch gut.
Gerade sitze ich unter meinem Moskitozelt und genieße das Lüftchen des Ventilators…

Ayubowan et Suba rathriyak (Singahlesich für: Auf Wiedersehen und Gute Nacht !)

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