Dienstag, 19. April 2011

Dienstag, 19.4.2011

Heute bin ich mit den anderen Freiwilligen, die hier wohnen in ihr Kinderheim gefahren. Dieses ist in viele verschiedene Bereiche gegliedert. Es gibt einen Raum mit Neugeborenen, 5 klitzekleine Babys leben dort. Dann gibt es die normalen Babys, etwa 20, die noch nicht krabbeln können und dann noch 11 kleine Krabbler und Renner, die wohl so 1 oder 2 Jahre alt sind. Es gibt ein paar Mitarbeiterinnen, aber die sind sehr beschäftigt damit Milch warm zu machen, zu putzen und die Kranken zu pflegen. Die Kinder die hier leben sind entweder Vollwaisen, wurden abgegeben (meistens weil die Eltern zu arm sind) oder wurden den Eltern vom Staat weggenommen.
Das heißt man hat als Freiwilliger sehr viel zu tun. Die Babys schreien, müssen gewickelt werden und natürlich auch gefüttert. Normalerweise legen die Mitarbeiterinnen die Flaschen einfach auf ein Kissen neben das Baby und dann muss die Milch irgendwie ihren Weg in den Mund hinein finden. Da es extrem war ist klebt die Milch, die an den Kleinen runter läuft fürchterlich und pappt an ihnen fest. Die Babys weinen viel, sie sind einsam, brauchen jemanden, der sie hält. Wenn man sie hoch nimmt hören sie sofort auf zu schreien, lehnen ihren Kopf an dich und lachen. Manche sind etwas moppelig, weil sie schnell gelernt haben wie man die Flasche hält und wahrscheinlich oft der Überblick verloren geht, wer schon gegessen hat und wer nicht. Es ist erschreckend wie 4 Monate alte Babys in ihrem Bett liegen und notgedrungen ihre Flasche selbst halten.
Andere sind relativ klein und mager für ihr Alter. Alle haben Schnupfnasen, wenn man sie hoch nimmt spürt man wie es in ihren Lungen rasselt. Verzweifelt versuchen sie den Schleim loszuwerden, der ihre Atmung blockiert. Ein winziges Neugeborenes, vielleicht vier Wochen alt, hat sich in seinem Bett nur vom Husten hin und her bewegt.
Die Krabbler und Renner sind anstrengend. Sie haben eine Art Gehege, in dem sie ohne jegliches Spielzeug ihre Zeit fristen. Wenn man dieses betritt stürzen sie sich auf dich, verzweifelt nach Aufmerksamkeit suchend. Sie krabbeln auf einem rum, kabbeln sich und manche brabbeln sogar schon etwas. Auch hier schreit ständig einer und noch viel öfter hat einer eine volle Windel. Windeln gibt es nur, wenn die Freiwilligen welche mitbringen. Ansonsten werden Leintücher verwendet, entsprechend sehen morgens die Betten aus. Die Freiwilligen können ihre Pampers aber nicht dort lassen. Die Mitarbeiterinnen sind so arm, dass sie selbst sich keine Pampers leisten können und welche für ihre eigenen Kinder einstecken. Auch wenn Spielzeug gespendet wird verschwindet dieses auf mysteriöse Weise. Rein baulich ist das Kinderheim in einem relativ guten Zustand. Die Betten der Kinder sehen stabil aus. Im Krabblergehege kommt jedoch die Farbe von den Wänden, da die Kleinen aus Langeweile angefangen haben diese aufzukratzen. Die Kleinen sind sehr clever, viele können sich richtig gut an den Stäben hochziehen und beinächst über das Gitter krabbeln.
Die Kinder sind einfach alle unglaublich süß, knautschgesichtig mit riesigen Augen und winzigen Fingern. Wenn man an ihrem Bett vorbeigeht starren sie einen an und recken ihre Köpfe. Manche strecken die Arme aus, in froher Erwartung hochgenommen zu werden.
Einmal am Tag werden alle gebadet. Das heißt, alle ausziehen, alle in die Wanne, alle abtrocknen, alle wickeln und anziehen. Mein Gastvater bringt unser Mittagsessen vorbei, sodass wir nicht extra alle nach Hause kommen müssen. Als wir draußen saßen und unser Mittagessen aßen, kam eine der Mütter, die zwei Kinder im Heim hat ,vorbei. Sie brachten eins der Kinder nach draußen, sie hatte es 5 Minuten auf dem Arm und ging dann wieder. Ihr zweites Kind (6 Monate alt), welches ich zuvor gefüttert hatte, schien sie nicht zu interessieren. Als sie ging lächelte sie, keine Träne, nichts. Als sie kurz darauf wieder die Einfahrt hochkam dachten wir, sie wolle auch noch ihr zweites Kind sehen, aber weit gefehlt, sie hatte nur ihren Schirm vergessen. Wie kann man so etwas tun ? Kommen, das Kind 5 Minuten halten und wieder gehen. Ihr kleiner Sohn konnte nicht verstehen, dass er da bleiben musste, wie auch? Da saß er dann in seinem Gitterbett und war wieder allein. Die Frau sah nicht mal arm aus, hatte Schuhe, einen schicken Rock…Natürlich kann man so als Außenstehender gut sagen, dass man so etwas nicht tun sollte, bzw. ihr Verhalten verurteilen. In Wirklichkeit weiß man aber nicht, in welchen Umständen die Frau lebt usw. Manche Eltern die kommen sehen bettelarm aus. Sie tragen zerrupfte Kleider, keine Schuhe. Ich weiß nicht was besser ist: Besuchen oder nicht. Die Kleinen sind einfach so schwer zu beruhigen, wenn die Eltern gehen. Es bricht ihnen jedes Mal neu das Herz, aber wenigstens hat ihnen jemand für eine Zeit lang Aufmerksamkeit geschenkt.
Als ich heute mit dem kleinen schreienden Neugeborenen, das für jeden Atemzug seiner verschleimten Lunge all seine Kraft zusammennehmen musste umherlief um es zu beruhigen wurde ich wirklich wütend. Wütend auf die Menschen, die dieses kleine Wesen in die Welt gesetzt und dann einfach weggegeben haben, wütend auf die Menschen, die alles haben und noch nicht genug bekommen können. Man darf leider keine Bilder im Kinderheim machen. Ich hab schnell mit dem Handy ein Foto von meiner kleinen Lieblingsmaus gemacht, aber das kann ich leider nicht auf mein Laptop laden…

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