Sonntag, 8. Mai 2011

Das Kinderheim

Ich gehe ja jetzt nur noch am Nachmittag ins Kinderheim. Aber selbst in den drei Stunden könnte ich das Personal unentwegt anschreien und wegen der Kinder weinen.

Besonders heftig ist es immer wenn ein neues Baby kommt. Am Dienstag saßen Vera und ich mit unserem lunch draußen, als eine alte Frau mit einem winzig kleinen Bündel Baby mit einer riesigen Wollmütze zum Waisenhaus kam. Hinter ihr lief  eine ausgemergelte junge Frau,  die eine Plastiktüte trug.
Die Oma hat dann draußen mit dem Baby gewartet und die junge  Frau ist mit rein zur Leiterin.
Die junge Frau kam wieder raus und stillte dann mit  Tränen in den Augen, die Oma konnte sich auch nur gerade so zusammenreißen.
Die Leiterin kam und erzählte uns, dass die Frau vergewaltigt wurde und das Kind nun abgeben muss.
In der Gesellschaft hier wird die Frau dafür verantwortlich gemacht, dass sie vergewaltigt wurde.Das heißt sie muss das Kind abgeben, weil sie fortan geächtet ist.
Selbst wenn diese Frau ihr Kind hätte behalten wollen und es einfach als ihr eigenes ausgegeben hätte, ist sie immer noch unverheiratet mit Kind, ein absolutes No-Go  hier  und zweitens ist das Baby weiß, so weiß wie ich bevor ich hier her kam. Wie  das kommt können wir uns ja alle denken.
Als ob die ganze Sache nicht schon schlimm genug wäre ist die Mutter taubstumm. In Gebärdensprache hat sie uns, soweit ich  das richtig  gedeutet  habe, gebeten aufzupassen, dass es der Kleinen gut geht und sie nicht so viel  weint.
Da wurde die Kleine genommen und nach drinnen gebracht. Und nun liegt sie da, in ihrem Bettchen, mit mittlerweile 15 Lebenstagen und weiß Gott sei Dank noch nicht was ihr lüht. Wenigstens hat sie sehr gute Chancen adoptiert zu werden, da Singhalesen weiße Kinder lieben.

Die Nachmittage sind im Moment nicht ohne. Vera und ich waren die ganze Woche alleine, bzw. an einem Tag war ich sogar ganz  alleine.
Rein statistisch schreien mittags von den vierzig Kindern immer 5, 5 brauchen eine neue Windel, 2 sind krank und 2 sind wach und schlagen ihre  Köpfe gegen das Gitter oder bewegen sich die ganze Zeit vor und zurück, wie ein gefangenes Tier.
Währenddessen sitzen 8 Mitarbeiterinnen rum und machen,naja nichts. Wenn sie was tun ist  es einfach sinnlos. Man füttert gerade ein Baby, das will nicht mehr essen, dann setzt man es auf.  Dann kommen die und drücken das Kind wieder runter und stecken ihm die Flasche in den Mund...
Der kleine Suannka hat den ganzen Tag gekotzt. Vera sagt, sie solen ihm besser keine neue Milch geben und was machen sie stecken ihm die Flasche in den Mund. Ein Baby glüht vor Fieber. Man sagt es ihnen, sie fassen es an und meinen "a bit". Dann wird es mit Baby-Cologne eingeschmiert und weiter ignoriert...

Generell brechen die Kinder sehr sehr oft. Man füttert sie und zehn Minuten  später hat  man alles auf dem shirt. Nebst den ganzen Kinderxkrementen, die sich dort im  Laufe des Nachmittags  so ansammeln. Manchmal nimmt man ein Kind raus und die Windeln quillt schon über...sehr sehr unschön...

Eigentlich darf man ja  keine Bilder machen, aber Vera und ich haben unter Einsatz unseres Lebens heimlich ein paar Bilder gemacht:





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