Und so ist das mit mir und meinem Freiwilligendienst in Sri Lanka.
Ich bin nicht daür gemacht zuzusehen, wie die Kinder und Frauen hier behandielt werden. Ich kann einfach nicht tolerieren wie Kinder geschlagen werden und ich kann auch nicht einfach meinen Mund halten wenn Kinder in ihren Betten liegen und nach Luft schnappen, weil ihre Lungen so verschleimt sind. Ich will nicht akzeptieren, dass ein 10 Wochen altes Baby angeblich selbst seine Flasche halten muss und ich sehe es nicht ein, ein Kind, das den ganzen Tag gebrochen hat mit Brei vollzustopfen bis es nicht mehr bricht.
Und vor Allem kann ich nicht verstehen, warum es einfach so toleriert wird, dass Personal von Freiwilligen stiehlt (jetzt wurde einer Freiwilligen auch noch Geld gestohlen) und dass dann den Freiwilligen, die sich darüber beschweren mit dem Rauswurf gedroht wird.
Diese fünf Wochen in Sri Lanka haben mich körperlich und seelisch mehr mitgenommen als irgendwas je zuvor. Wenn man wegen der Hitze, den Ratten die unter dem Bett rascheln und der Sorgen um die Kleinen nachts so gut wie nicht schläft, wenn man wegen der vielen Abgasen in der Luft schlecht atmens anstarrn kann, wenn man durchschnittlich 25 Windeln am Tag wechselt, eine Horde Kleinkinder über einen herfällt, man in der Schule 14-Jährige Schwergewichte rumträgt, mit schreienden Babys den Gang auf und abläuft und nach der Arbeit das Erbrochene und die Ausscheidungen der Kinder per Handwäsche aus den Kleidern waschen muss, macht das einen fertig.Hinzu kommen dann noch die Steine, die einem die Gesellschafthier in den Weg
legt: Man muss immer Schultern und Knie bedeckt halten, damit die Autos an der Straße nicht anhalten um einen anzustarren. Obwohl, das wird trotzdem gemacht.
Auf dem 15-minütigen Fußweg in die Stadt muss man immer mit mindestens 5 Autos voller singahlesicher Männer rechnen, die die Fenster runterkurbeln um: "Hallo, young white madame!" zu rufen und ihre Zungen zu zeigen. Im Bus wird man nicht nur angegafft, sondern auch oft angetatscht. Nichts toppt wohl den ersten Tag im Bus, als ein junger Singhalese uns anstarrte und doch dann tatsächlich vor uns seinen Penis auspackte.
Als Weißer ist man ein wandelnder Dollarschein, man weiß nie wer einem nur etwas verkauen will und wer einfach nur nett ist. Ich habe aber leider keinen Einheimischen getroffen, der einfach nur nett war. Wenn man sich mit jemandem unterhält muss man immer befürchten, dass man gleich Geld bezahlen muss oder man verfolgt wird.
Auch mein Gastvater nimmt nicht aus Nächstenliebe Freiwillge auf und vermittelt diese in Projekte. Er verdient mit der ganzenn Sache sein Geld und das wars. Er bekommt Geld für dreckige, fensterlose Kammern voller Getiers und Ratten.
Unterstützung kam uns ziemlich wenig zu. Als Vera und ich weinend nach Hause kamen, weil wir gesehen hatte, wie ein Kind abgegeben wurde (der Vater musste seine 3-jährige Tochter und seine anderen 3 Kinder getrennt abgeben, weil seine Frau weggelaufen war), meinte Michael nur, man solle die Mutter suchen und sie zwingen, die Kinder zu nehmen, der Vater wäre bestimmt an allem selbst schuld und sie hätten nie Kinder bekommen sollen.
Als wir mit ihm darüber sprechen wollten wie sehr uns die Situation mit den Mitarbeiterinnen im Heim belastet meinter ur, wir seien nicht da um etwas zu verändern, sondern um unter den Bedingungen und Anweisungen der Leiterin zu arbeiten. Sehr nett...
Es ist keine einfache Entscheiung gewesen, Sri Lanka früher zu verlassen, aber die richtige. Nach drei Monaten, die genauso gewesen wären wie die fünf Wochen wäre ich ein absolutes Wrack gewesen.
Doch meine Zeit war nicht nur schlecht, ich habe vieles gelernt und erlebt. Ich freue mich nun über alles, was zuvor so selbstverständlich war, ich bin wesentlich ruhiger und rege mich nicht mehr über irgendwelche nichtigen Dinge auf. Die sechs Stunden Verspätung meines Fluges und das Verpassen meines Zuges konnten mich nicht aus der Ruhe bringen. Denn das ist definitiv ein Luxusproblem.
Der Flughafen in Colombo war der einzige Ort, an dem ich mich in Sri Lanka richtig sicher gefühlt habe und gerne bleiben wollte.
Man erkannt am Schlater am Fluhafen gleich die Deutschen: Shorts, Sandalen mit Socken und die erste Frage:" Ja bekommen wir denn dann jetzt gleich etwas zu Essen ?"
Ich vermisse die Kinder wie verrückt und denke ständig an sie. Es tut mir so Leid für die Kleinen, aber es sind ja noch andere da..
Vera, die noch eine weitere Woche bei Michael und seiner Familie gelebt und im Waisenhaus gelebt hat, hat mit eine Naricht geschrieben, dass die Leiterin nun völig durchdreht.
Irgendwie hat sie erfahren, dass Vera von einer Gruppe Engländer 8000 Rupees für Windeln bekommen hat. Dieses Geld haben Vera und ich noch am selben Tag in Windeln und Tücher investiert. Die Leiterin hat nun aber Vera beschuldigt, sie habe das Geld selbst genommen und nie Windeln gekauft. Irgendwann ist das Maß echt voll...
Nun bin ich wieder hier in Deutschland, freue mich wie ein kleines Kind über Käse, Kaffee, ein Bett ohne Bettwanzen und Kakerlaken und warmesungechlortes Wasser...
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