man die Welt nicht verändern kann, dann ist das hart.
Man verlässt nach 12,5 Jahren die Schule, hat einen genauen Plan von Allem und nichts kann einen stoppen.
Man glaubt man hat schon viel gesehen, glaubt man weiß wie andere Kulturen funktionieren und macht Pläne über Pläne.
Ja Pläne kann man viele machen bevor man nach Sri Lanka kommt, aber mitzunehmen braucht man sie nicht.
Denn eigentlich ist immer alles anders, als man es sich vorgestellt und geplant hat.
Man glaubt man arbeitet in einem Waisenheim und einer Schule für behinderte Waisenkinder und wo landet man ? Zunächst in einem Waisenhaus mit Babys und dann in einem Heim für behinderte Erwachsene. Erst nach viel Einsatz und Organisationsgeschick habe ich es jetzt geschafft am Morgen in der Schule unterrichten zu können und dann ab Mittag bei den Waisen arbeiten zu können.
Man glaubt man ist mental auf alles vorbereitet. Glaubt einfache Lebensbedingungen, Dreck und Armut können einem nichts anhaben. Doch spätestens wenn man nachts die Ratten hört und Kakerlaken und Bettwanzen im Bett hat ist der Spaß vorbei.
Wenn morgens Mütter barfuß ihre schwerstbehinderten Kinder in die Schule bringen, deren Schuluniformen vor Dreck stehen, da sie das einzige sind, was sie an Kleidung haben und Neugeborene verzweifelt nach Luft schnappen, weil sie so stark erkältet sind, dann, dann ist jede Vorbereitung egal und man möchte einfach nur noch weinen.
Man glaubt die Hitze kann einem nichts anhaben, freut sich sogar über die Wärme. Doch wenn man dann um zwei Uhr nachts immer noch hellwach unter seinem Moskitonetz liegt, weil das Zimmer auf Grund von Fensterlosigkeit und geschlossener Tür wegen Rattengefahr, einer Sauna gleicht, dann wünscht man sich man wäre in Alaska.
Man denkt man sei in der Lage emotional Abstand zu halten und dass man das alles packen kann. Wenn man dann aber in seinem Bett liegt und der Babygeruch den Modergeruch der Matratze überdeckt und das Schreien der Babys nicht aus den Ohren gehen will. Wenn man pausenlos darüber nachdenkt, ob man das kranke Baby morgen nochmal sehen und ob das autistische Mädchen jemals eine Familie finden wird, merkt man, dass das nicht so einfach ist.
Die Arbeit hier ist hart, täglich stößt man an seine Grenzen. Und die Grenzen scheinen täglich eher noch näher heran zu rücken, als sich weiter von einem zu entfernen.
Wenn man unter so starkem Schlafentzug steht und eine Erkältung mit sich heruum schleppt und die Haut gegen die Mischung aus Moskitospray und Sonnencreme rebelliert fällt es einem nicht so leicht so manche Dinge wegzustecken.
Diese Woche haben sich viele schlimme Dinge gehäuft.
Im Waisenhaus hatten wir Freiwillige einen riesigen Streit mit der Leiterin. Am Vortag hatten die beiden Letzten von uns einen Pack Windeln vergessen. Dieser war am nächsten Tag verschwunden. Da als wir kamen alle Babys in Stoffwindeln waren und ihre Betten völlig eingenässt und verschmutzt waren, waren die Windeln offensichtilich mal wieder gestohlen und nicht verwendet worden.
Auch eineiges an Spielzeug, welches die Kinder bekommen hatten, war schon wieder nicht mehr da.
Das Personal, das einen ohnehin nicht versteht, wohl auch nicht verstehen will, wusste mal wieder gar nicht, was wir wollen.
Wir erhofften uns Hilfe von der Leiterin und sprachen sie auf die Situation an. Diese konnte das ja so gar nicht vertstehen. Wir baten sie lediglich darum, ihr Personal zu disziplinieren und diese daauf hinzuweisen, dass das Stehlen von Waisen keine feine Art ist.
Darauf hin meinte sie, die Pampers seien ohnehin total schlecht, die Kinder bekämen darin Wunde Popos und verbot uns fortan Windeln mitzubringen. Als wir versuchten ihr zu erklären, dass es eher Stoffwindeln sind, die diesen Schaden anrichten und dass sie dann auch mal die Bettücher wechseln müssten, wenn die Kinder fortan nicht den ganzen Tag in ihren eigenen Exkrementen liegen sollen, rief sie unseren Gastvater an und wollte uns alle rauswerfen.
So ein doofer Streit ist natürlich nicht nur überflüssig, sondern macht einen richtig wütend. Da kommt man dort hin, gibt massenweise Geld für Pampers aus, damit die Kinder wenigstens nicht immer im Nassen liegen, ist der einzige der sich (zumal auch noch unentgeltlich) ordentlich um die Kinder kümmert und muss dann dafür kämpfen, dass man dort weiterhin arbeiten kann, während andere fürs Stehlen und Rumsitzen bezahlt werden.
Am selben Tag kam dann auch noch ein neues Mädchen ins Heim. Ihr Vater muss alle seine vier Kinder abgeben, da seine Frau mit einem anderen Mann abgehauen ist und er kein Zuhause mehr hat. Die Kleine, wohl so etwa 3 Jahre, ist seit diesemm Tag völli durch den Wind. Niemand kann sie beruhigen. Mit leerem Blick klammert sie sich völlif depressiv an das nächstebeste Bein und weint sich die Seele aus dem Leib.
Der Schmerz, den dieses Kind fühlen muss, ist wohl unbeschreiblich groß.
Wäre sie eines der kleinen Babys könnte sie das wegstecken. Aber so ist sie sich eben der ganzen Situation genau bewusst. Sie kann nicht verstehen warum ihr Vater einfach wegging und sie nicht mehr mit ihren Geschwistern zusammen sein kann. Wie soll sie verstehen, dass man sie alleine lassen muss in einer neuen Umgebung mit fremden Menschen und vielen anderen Kindern, die wenig Rücksicht auf ihre Trauer nehmen ?
Morgen mehr....
Hey Ronja!
AntwortenLöschenDas hört sich ja wirklich hart an! Mein Bruder hat bei seinem FSJ in Bosnien im Waisenhaus auch öfter die Erfahrung gemacht, dass seine Hilfe nicht gewollt sei.
Aber durch deinen Einsatz leistest du wirklich etwas Gutes und die Kinder profitieren davon, was ihr Freiwilligen macht. Auch wenn ihr nicht so viel leisten könnt, wie nötig wäre, macht ihr die Situation doch besser! KOPF HOCH!!!
Liebe Grüße aus Ungarn,
Dési
Liebe Ronja!
AntwortenLöschenMach immer weiter. Gib nicht auf. Niemals! In dir steckt so viel Gutes, so viel Herzlichkeit und so viel Einsatzbereitschaft.
Nein, gibt nicht auf, denn in den Momenten, in denen du nur ein Kind mal über seinen Kopf streichelst, es an den nackten Füßen kraulst oder mit ihm sprichst, hast du soooo viel Gutes getan. Das Kind wird dir für diesen einen glücklichen Moment so dankbar sein.
Ja, auf diese Härte wird man tatsächlich in 12 Jahren Schule nicht vorbereitet und dann trifft sie einen mit voller Breitseite. Und das tut leider dann auch sehr weh.
Ärgere dich nicht über die Diebstähle, denn es raubt dir (und auch deinen Mitstreitern) die Energie, die ihr braucht, um den Kindern ein paar glückliche Momente zu geben.
Geh deinen Weg weiter. Trotze Sturm und Regen. Kämpfe mit deinen persönlichen Waffen: Liebe und Güte.
Liebe Grüße aus Losheim
Bianca H.